28th Athens Classic Marathon

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Sonntag, 31. Oktober, 2010

Als aller erstes möchte ich EUCH allen

Spiros, Didi & Miro, Holli, Lars, Miri, Olli & Dani, Thor, Mads, Henrik, Chris, Kostas, Elias, Marty, Magda, Eirini & Allan, Aggeliki, Sandra, Lino, Max, Paula, Joro und Tina

dafür danken, dass ihr eure kostbare Zeit und so viel auf euch genommen habt um mich zu unterstützen. Mir fehlen ganz einfach die Worte um euch zu sagen wie geehrt ich mich fühle euch an meiner Seite gehabt zu haben.

Die Medaille, die ihr mir geschenkt habt, hat mich sprachlos gemacht und wird mich immer sprachlos lassen. Ich bin wirklich überwältigt und unendlich dankbar. Und einen ganz speziellen Dank geht an dich, Didi...

Ich wollte diesen Marathon unbedingt laufen, da ich letztes Jahr aufgrund eines Risses im linken Meniskus nicht konnte. 4 Wochen vor dem Lauf wurde ich verletzt und eine Operation folgte 2 Wochen später. Ich sagte bei der House Of Death Party in Athen, dass ich wiederkommen würde. Dieses Jahr war natürlich ein ganz besonderer Lauf – eine einmalige Chance. Wer hat schon die Gelegenheit an einem Lauf teilzunehmen, der sein 2500stes Jubiläum feiert?

Ich war einen Extremlauf im Mai dieses Jahres über 54,4 km und 1256 Höhenmeter gelaufen und verletzte mich im Training danach. Ich hatte einen Muskelfaserriss in meinem linken Oberschenkel erlitten und musste Zwangspausieren. Ende Juni war ich komplett ausgeheilt und war in bester Stimmung mein Training für den Athens Classic Marathon im August zu beginnen. Alles lief zunächst top, obwohl ich nicht dazukam sonderlich viele Läufe auch nur über 15 km zu machen. Im September habe ich einen 30 km Lauf absolviert und bin in 2 Wochen knapp 200 km gelaufen, was echt super war, aber ich spürte ein Ziehen in meiner rechten Wade – und wie immer- ignorierte ich dieses Signal…

Am 29. September wollte ich wieder über 30 km laufen und fühlte mich eigentlich sehr gut. Der Schmerz in der rechten Wade war noch spürbar aber ich wusste auch, dass ich RENNEN MUSSTE! Tja, und so ziemlich genau nach 8 km passierte es dann – ein stechender Schmerz und aus war’s. Ich musste nach Hause gehen - aber das war nicht das Schlimmste an der Sache. Vom Schmerz her war es wohl nur eine Zerrung aber trotzdem…

Mein Training war eh nicht so gut und nun musste ich mit Sicherheit 2 Wochen pausieren und das 4 Wochen vor dem Marathon. Ich fühlte mich echt beschissen, wusste ich doch, dass so viele nach Athen reisen würden um mich laufen zu sehen. Ich wollte meine Familie und Freunde nicht schon wieder enttäuschen.

Ich pausierte für 2 Wochen und lief dann eine Strecke über 4,2 km (bin ich abergläubisch oder was?) an 5 darauffolgenden Tage. Ich spürte immer noch ein Ziehen in der rechten Wade und wusste, dass ich so nicht weiter trainieren konnte. Endlose Diskussionen mit Tina waren die Folge. Letztendlich hatte ich aber nur eine Option um in Athen überhaupt starten zu können – pausieren bis zum Rennen. Tina sagte, dass es fast unmöglich sein würde ein Marathon ohne anständiges Training durchzustehen und ich gab ihr Recht, aber ich hatte trotzdem keine andere Wahl. Ich wollte mir nicht noch Mal eine Zerrung holen und spürte, dass meine Muskelfasern einfach anfällig waren. Ich wollte ganz einfach an den Start – egal wie! Ich denke, dass nicht viele von euch wissen was ich innerlich durchmachte  – aber es war wirklich die Hölle auf Erden...

In der letzten Woche vor dem Marathon entschloss ich mich aber doch noch mal 10,55 km, 6,66 km und 4,2 km zu laufen (ok, ich bin abergläubisch!) und es funktionierte, aber ich fühlte mich so sehr unsicher, denn das Ziehen war immer noch da. Voller Zweifel wollte ich rennen und fühlte mich dabei wie ein Wrack.

Wir standen morgens um 4 Uhr auf und flogen nach Athen. Mittags wurden Tina, Miri und ich von Spiros am Flughafen abgeholt und zum Hotel gefahren. Es waren bereits viele Brothers und Sisters dort und es war einfach schön sie alle wiederzusehen. Sie haben mich sogar begleitet als ich meine Startunterlagen abholte – das war echt cool. Ich lieb diese Menschen echt so sehr!

Es hat alles super geklappt und wir gingen zurück zum Hotel. Anschließend gingen wir in ein sehr gutes Restaurant und es war ein Leichtes mein traditionelles griechisches Essen vor dem Lauf zu bekommen ;). Ein paar Bier und einen Ouzo und dann trennten sich unsere Wege – Tina und ich gingen ins Bett während das House Of Death zum Feiern ging. Ich musste ja schließlich wieder um 4 Uhr aufstehen. Ich schlief ganz gut obwohl unser Hotelzimmer wie ein Eisschrank war. Tina stand mit mir auf und holte mir sogar einen Kaffee an der Rezeption – das ist eben wahre Liebe. Wir waren aber beide dermaßen nervös weil die Frage war…

War ich bereit? Sagen wir mal – ich wollte es auf jeden Fall sein...

Glaubte ich an mich? Tja, Tina tat es und ich auch irgendwie…eins wusste ich jedoch ganz sicher – ICH WÜRDE NICHT KLEINBEIGEBEN!

Letzte Vorbereitungen und trotz allem war ich in guter Stimmung.

  

Ich nahm die Metro bis “Syntagma”, wo Busse für uns Läufer bereitgestellt waren, die uns nach Marathon bringen würden. Alles war perfekt organisiert – vor, während und nach dem Rennen. Ich möchte auch hiermit ein dickes Lob an das griechische Organisationskomitee aussprechen!

Wir kamen bereits kurz vor 7 Uhr in Marathon an und ich ging im dortigen Stadion umher. Es war noch sehr frisch aber die Sonne ging auf und es würde ein wunderschöner Tag werden – oder doch nicht? Ich war höllisch nervös und voller Zweifel und glaubt mir – ich dramatisiere nicht, denn so war es!

Die Zeit verging und wir nahmen Stellung in unseren Startblöcken auf. Warum man mich im 6. und damit vorletzten Startblock platzierte, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Die Temperatur war auf 15 Grad gestiegen und die Startblöcke wurden in Intervalle auf die Reise geschickt. Ich verließ das Stadion um 9.17 Uhr…

Die ersten Kilometer waren flach und leicht bergab und somit easy außer der Tatsache, dass ich ständig Läufern ausweichen musste, die vermutlich nur aufgrund des Jubiläumslaufs hier teilnehmen wollten. Ich meine, ich bin wirklich nicht schnell, aber einige von ihnen gingen ja fast.

Nach 11 km ging es dann bergauf und es wurde anstrengend. Bis dahin hatte ich einen Gesamtschnitt von 5:30/km wurde aber natürlich nun langsamer. Die Frage war immer noch – würde mein Bein halten? Ich spürte eine gewisse Spannung in der Wade aber lief einfach weiter. Nach 17 km ging es kurz steil bergab und dann fing der härteste Teil des Rennens an. Es ging bergauf – zum Teil richtig steil und das bis Kilometer 31,5 km. Mein Gesamtschnitt war nun auf 5:50/km gesunken. Vor dem Rennen sagte ich noch, dass ich sehr viel Glück haben würde, wenn ich in 3:59:59 übers Ziel laufen könnte – ein ziemlich utopischer Gedanke. Mit dem jetzigen Schnitt würde ich nach 4:07 das Rennen beenden. Das erstaunliche war aber, dass das Ziehen in der Wade so gut wie nicht mehr zu spüren war.

Nach 32 km war mir dann alles Wurscht – ich lief so schnell wie ich nur konnte, denn sollte ich eine Zerrung erleiden, würde ich eben ins Ziel vollends gehen. So rannte ich wie ein Wilder los. Es ging von nun an bergab und es kam mir vor als ob ich plötzlich Flügel hatte. Es war unglaublich – ich flog dahin. Ich trank sehr viel und aß Schokolade, Magnesium, Gels und Powerbars um meine Energie aufrecht zu erhalten - mittlerweile vertrage ich wirklich alles. Und meine Energie wurde nicht weniger, sondern mehr – ich hatte Kraft von innen heraus – der Dämon war besiegt!

Die Fans entlang der Strecke waren genial – Anfeuerungsrufe von Beginn an. Ein dickes Lob an die Griechen – wahre Sportsmänner! Und nun wurden die Reihen der Fans immer dichter und es wurde lauter und lauter – ein Hexenkessel und eine unglaublich fantastische Atmosphäre! Die Welt gehörte nun mir – es war mein Rennen und ich war auf dem Weg ins Stadion – in das Stadion, wo meine wahre Familie und Freunde auf mich warteten. Ich wollte sie stolz und glücklich machen. Ich lief nicht vor meinen Zweifeln davon, sondern ich lief sie in Grund und Boden – es war geil – verdammt geil.

 

Einer der vielen Krieger auf seinem Weg ins Ziel!

Die Sonne schien und es wurde heiß, aber wir hatten einen angenehmen Rückenwind (gut, dass wir ja immer nur in eine Richtung laufen mussten...) und ich fühlte mich wie im Paradies. Ich rannte um die letzte Kurve ins Panathinaikon Stadion. Was für ein unbeschreibliches Gefühl. Und da waren sie alle - meine Tina und meine Brothers und Sisters standen da und schrien wie wild – für mich – was für eine Ehre! Ich winkte ihnen zu und rannte die letzten Meter meines wohl besten Laufs – nicht mein Schnellster – aber der Emotionalste und psychisch Schwerste, den ich je rennen musste.

Ich erreichte das Ziel nach 4:01:05 bei einem Gesamtschnitt von 5:41/km was bedeutete, dass ich mich um 9 Sekunden/km während dem letzten Viertel des Rennes verbessern konnte. Somit war ich die letzten 10 km in einem 5:00/km Schnitt gelaufen. Ich war so überglücklich und um ehrlich zu sein ganz schön über meine Leistung erstaunt. Ich war 2799. von über 10000 Läufern geworden und hatte somit während dem Rennen über 5000 Läufer überholt…

Ich fühlte mich wie neugeboren – wieder einmal.

Ich gab meinen Chip zurück und wollte nun schnell zu den anderen!

Jeder gratulierte mir und Didi übergab mir meine ganz spezielle Medaille. Ich musste ganz schön mit den Tränen kämpfen und wusste wirklich nicht was ich sagen soll – was ich allerdings weiß, ist das ich diese Menschen echt liebe. Wahre Momente der Freundschaft und Brüderlichkeit.

UND NOCH MAL – DANKE, DASS IHR DIESEN TAG FÜR MICH UNVERGESSLICH GEMACHT HABT!

I hail YOU!

"Fight With Blood
Fight With Steel
Die With Honor
Never Yield
Fearless Hearts
Filled With Pride
Into Glory We Shall Ride"

 

Und wie sagt MANOWAR so schön - from a battle I've come to battle I ride...

Also dann - bis zum nächsten Jahr in Prag! ;)