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Sonntag, 31. Oktober, 2010
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Als aller erstes
möchte ich EUCH allen
Spiros, Didi &
Miro, Holli, Lars, Miri, Olli & Dani, Thor, Mads, Henrik, Chris, Kostas,
Elias, Marty, Magda, Eirini & Allan, Aggeliki, Sandra, Lino, Max, Paula,
Joro und Tina
dafür danken, dass
ihr eure kostbare Zeit und so viel auf euch genommen habt um mich zu
unterstützen. Mir fehlen ganz einfach die Worte um euch zu sagen wie geehrt ich
mich fühle euch an meiner Seite gehabt zu haben.

Die Medaille, die
ihr mir geschenkt habt, hat mich sprachlos gemacht und wird mich immer
sprachlos lassen. Ich bin wirklich überwältigt und unendlich dankbar. Und einen
ganz speziellen Dank geht an dich, Didi...

Ich wollte diesen
Marathon unbedingt laufen, da ich letztes Jahr aufgrund eines Risses im linken
Meniskus nicht konnte. 4 Wochen vor dem Lauf wurde ich verletzt und eine
Operation folgte 2 Wochen später. Ich sagte bei der House Of Death Party in
Athen, dass ich wiederkommen würde. Dieses Jahr war natürlich ein ganz
besonderer Lauf – eine einmalige Chance. Wer hat schon die Gelegenheit an einem
Lauf teilzunehmen, der sein 2500stes Jubiläum feiert?
Ich war einen
Extremlauf im Mai dieses Jahres über 54,4 km und 1256 Höhenmeter gelaufen und
verletzte mich im Training danach. Ich hatte einen Muskelfaserriss in meinem
linken Oberschenkel erlitten und musste Zwangspausieren. Ende Juni war ich
komplett ausgeheilt und war in bester Stimmung mein Training für den Athens
Classic Marathon im August zu beginnen. Alles lief zunächst top, obwohl ich
nicht dazukam sonderlich viele Läufe auch nur über 15 km zu machen. Im
September habe ich einen 30 km Lauf absolviert und bin in 2 Wochen knapp 200 km
gelaufen, was echt super war, aber ich spürte ein Ziehen in meiner rechten Wade
– und wie immer- ignorierte ich dieses Signal…
Am 29. September wollte
ich wieder über 30 km laufen und fühlte mich eigentlich sehr gut. Der Schmerz
in der rechten Wade war noch spürbar aber ich wusste auch, dass ich RENNEN
MUSSTE! Tja, und so ziemlich genau nach 8 km passierte es dann – ein stechender
Schmerz und aus war’s. Ich musste nach Hause gehen - aber das war nicht das
Schlimmste an der Sache. Vom Schmerz her war es wohl nur eine Zerrung aber
trotzdem…
Mein Training war
eh nicht so gut und nun musste ich mit Sicherheit 2 Wochen pausieren und das 4
Wochen vor dem Marathon. Ich fühlte mich echt beschissen, wusste ich doch, dass
so viele nach Athen reisen würden um mich laufen zu sehen. Ich wollte meine
Familie und Freunde nicht schon wieder enttäuschen.
Ich pausierte für 2
Wochen und lief dann eine Strecke über 4,2 km (bin ich abergläubisch oder was?)
an 5 darauffolgenden Tage. Ich spürte immer noch ein Ziehen in der rechten Wade
und wusste, dass ich so nicht weiter trainieren konnte. Endlose Diskussionen
mit Tina waren die Folge. Letztendlich hatte ich aber nur eine Option um in
Athen überhaupt starten zu können – pausieren bis zum Rennen. Tina sagte, dass
es fast unmöglich sein würde ein Marathon ohne anständiges Training
durchzustehen und ich gab ihr Recht, aber ich hatte trotzdem keine andere Wahl.
Ich wollte mir nicht noch Mal eine Zerrung holen und spürte, dass meine
Muskelfasern einfach anfällig waren. Ich wollte ganz einfach an den Start –
egal wie! Ich denke, dass nicht viele von euch wissen was ich innerlich
durchmachte – aber es war wirklich die
Hölle auf Erden...
In
der letzten Woche vor dem Marathon entschloss ich mich aber doch noch mal 10,55
km, 6,66 km und 4,2 km zu laufen (ok, ich bin abergläubisch!) und es
funktionierte, aber ich fühlte mich so sehr unsicher, denn das Ziehen war immer
noch da. Voller Zweifel wollte ich rennen und fühlte mich dabei wie ein Wrack.
Wir standen morgens
um 4 Uhr auf und flogen nach Athen. Mittags wurden Tina, Miri und ich von
Spiros am Flughafen abgeholt und zum Hotel gefahren. Es waren bereits viele Brothers
und Sisters dort und es war einfach schön sie alle wiederzusehen. Sie haben
mich sogar begleitet als ich meine Startunterlagen abholte – das war echt cool.
Ich lieb diese Menschen echt so sehr!
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Es hat alles super
geklappt und wir gingen zurück zum Hotel. Anschließend gingen wir in ein sehr
gutes Restaurant und es war ein Leichtes mein traditionelles griechisches Essen
vor dem Lauf zu bekommen ;). Ein paar Bier und einen Ouzo und dann trennten
sich unsere Wege – Tina und ich gingen ins Bett während das House Of Death zum
Feiern ging. Ich musste ja schließlich wieder um 4 Uhr aufstehen. Ich schlief
ganz gut obwohl unser Hotelzimmer wie ein Eisschrank war. Tina stand mit mir
auf und holte mir sogar einen Kaffee an der Rezeption – das ist eben wahre
Liebe. Wir waren aber beide dermaßen nervös weil die Frage war…
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War ich bereit? Sagen
wir mal – ich wollte es auf jeden Fall sein...
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Glaubte ich an mich?
Tja, Tina tat es und ich auch irgendwie…eins wusste ich jedoch ganz sicher –
ICH WÜRDE NICHT KLEINBEIGEBEN!
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Letzte
Vorbereitungen und trotz allem war ich in guter Stimmung.
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Ich nahm die Metro
bis “Syntagma”, wo Busse für uns Läufer bereitgestellt waren, die uns nach
Marathon bringen würden. Alles war perfekt organisiert – vor, während und nach
dem Rennen. Ich möchte auch hiermit ein dickes Lob an das griechische
Organisationskomitee aussprechen!
Wir kamen bereits
kurz vor 7 Uhr in Marathon an und ich ging im dortigen Stadion umher. Es war
noch sehr frisch aber die Sonne ging auf und es würde ein wunderschöner Tag
werden – oder doch nicht? Ich war höllisch nervös und voller Zweifel und glaubt
mir – ich dramatisiere nicht, denn so war es!
Die Zeit verging
und wir nahmen Stellung in unseren Startblöcken auf. Warum man mich im 6. und
damit vorletzten Startblock platzierte, wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben.
Die Temperatur war auf 15 Grad gestiegen und die Startblöcke wurden in Intervalle
auf die Reise geschickt. Ich verließ das Stadion um 9.17 Uhr…
Die ersten
Kilometer waren flach und leicht bergab und somit easy außer der Tatsache, dass
ich ständig Läufern ausweichen musste, die vermutlich nur aufgrund des Jubiläumslaufs
hier teilnehmen wollten. Ich meine, ich bin wirklich nicht schnell, aber einige
von ihnen gingen ja fast.
Nach 11 km ging es
dann bergauf und es wurde anstrengend. Bis dahin hatte ich einen Gesamtschnitt
von 5:30/km wurde aber natürlich nun langsamer. Die Frage war immer noch –
würde mein Bein halten? Ich spürte eine gewisse Spannung in der Wade aber lief
einfach weiter. Nach 17 km ging es kurz steil bergab und dann fing der härteste
Teil des Rennens an. Es ging bergauf – zum Teil richtig steil und das bis
Kilometer 31,5 km. Mein Gesamtschnitt war nun auf 5:50/km gesunken. Vor dem
Rennen sagte ich noch, dass ich sehr viel Glück haben würde, wenn ich in
3:59:59 übers Ziel laufen könnte – ein ziemlich utopischer Gedanke. Mit dem
jetzigen Schnitt würde ich nach 4:07 das Rennen beenden. Das erstaunliche war
aber, dass das Ziehen in der Wade so gut wie nicht mehr zu spüren war.
Nach 32 km war mir
dann alles Wurscht – ich lief so schnell wie ich nur konnte, denn sollte ich
eine Zerrung erleiden, würde ich eben ins Ziel vollends gehen. So rannte ich
wie ein Wilder los. Es ging von nun an bergab und es kam mir vor als ob ich
plötzlich Flügel hatte. Es war unglaublich – ich flog dahin. Ich trank sehr
viel und aß Schokolade, Magnesium, Gels und Powerbars um meine Energie aufrecht
zu erhalten - mittlerweile vertrage ich wirklich alles. Und meine Energie wurde
nicht weniger, sondern mehr – ich hatte Kraft von innen heraus – der Dämon war
besiegt!
Die
Fans entlang der Strecke waren genial – Anfeuerungsrufe von Beginn an. Ein
dickes Lob an die Griechen – wahre Sportsmänner! Und nun wurden die Reihen der
Fans immer dichter und es wurde lauter und lauter – ein Hexenkessel und eine
unglaublich fantastische Atmosphäre! Die Welt gehörte nun mir – es war mein
Rennen und ich war auf dem Weg ins Stadion – in das Stadion, wo meine wahre
Familie und Freunde auf mich warteten. Ich wollte sie stolz und glücklich
machen. Ich lief nicht vor meinen Zweifeln davon, sondern ich lief sie in Grund
und Boden – es war geil – verdammt geil.
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Einer der vielen
Krieger auf seinem Weg ins Ziel!
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Die Sonne schien
und es wurde heiß, aber wir hatten einen angenehmen Rückenwind (gut, dass wir
ja immer nur in eine Richtung laufen mussten...) und ich fühlte mich wie im
Paradies. Ich rannte um die letzte Kurve ins Panathinaikon Stadion. Was für ein
unbeschreibliches Gefühl. Und da waren sie alle - meine Tina und meine Brothers
und Sisters standen da und schrien wie wild – für mich – was für eine Ehre! Ich
winkte ihnen zu und rannte die letzten Meter meines wohl besten Laufs – nicht
mein Schnellster – aber der Emotionalste und psychisch Schwerste, den ich je
rennen musste.

Ich erreichte das
Ziel nach 4:01:05 bei einem Gesamtschnitt von 5:41/km was bedeutete, dass ich
mich um 9 Sekunden/km während dem letzten Viertel des Rennes verbessern konnte.
Somit war ich die letzten 10 km in einem 5:00/km Schnitt gelaufen. Ich war so
überglücklich und um ehrlich zu sein ganz schön über meine Leistung erstaunt.
Ich war 2799. von über 10000 Läufern geworden und hatte somit während dem
Rennen über 5000 Läufer überholt…
Ich fühlte mich wie
neugeboren – wieder einmal.
Ich gab meinen Chip
zurück und wollte nun schnell zu den anderen!
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Jeder gratulierte
mir und Didi übergab mir meine ganz spezielle Medaille. Ich musste ganz schön
mit den Tränen kämpfen und wusste wirklich nicht was ich sagen soll – was ich
allerdings weiß, ist das ich diese Menschen echt liebe. Wahre Momente der
Freundschaft und Brüderlichkeit.
UND NOCH MAL – DANKE,
DASS IHR DIESEN TAG FÜR MICH UNVERGESSLICH GEMACHT HABT!
I hail YOU!
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"Fight With Blood Fight With Steel Die With Honor Never
Yield Fearless Hearts Filled With Pride Into Glory We Shall
Ride"
Und wie sagt MANOWAR
so schön - from a battle I've come to battle I ride...
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Also dann - bis zum nächsten Jahr in
Prag! ;)
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