8. Heidenheimer Stadtlauf

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Die Vorgeschichte

Eines Tages kam Udo und erzählte mir vom Stadtlauf Heidenheim. Er würde dort den Halbmarathon laufen, da es ja seine Heimatstadt ist. Außerdem wollte er für das dortige Sportstudio Paul's mitlaufen, welches einem Kollegen von uns gehört.

Nach einigen Überlegungen merkte ich, dass auch ich ein neues Laufziel brauchte. Nur Essen und Bier trinken geht eben auch nicht. So erklärte ich Udo und meinen Kollegen bei einem Besuch in der Besenwirtschaft ganz offiziell, dass ich mich ebenfalls anmelden und für das Sportstudio Paul's laufen würde.

Durch den sehr langen Winter und ständiges Sauwetter war das anfängliche Training keine Freude. Außerdem hatte ich große Probleme das Lauftraining zeitlich auf die Reihe zu bekommen, denn Arbeit, Pferd und Reisen standen ja auch noch auf dem Programm meines Lebens.

So quälte ich mich so dahin, motzte viel und fand keinen richtigen Anfang. Irgendwie war ich unzufrieden und bereute den Entschluss.

Das ging so bis April/Mai. Das Wetter wurde langsam besser und Udo unterstütze mich. Er selbst trainierte auf einen Extrem Marathon und hatte deshalb viel Verständnis, dass ich jetzt auch viel Zeit zum Laufen benötigte. Und plötzlich platzte der Knoten. Ich bekam Kraft, fühlte mich motiviert und stark. Ich beschloss dann Anfang Mai einen längeren Lauf zu wagen. Bei schönstem Wetter konnte ich plötzlich locker 1:40 Stunde laufen. Ich war im Glück.

Kurz vor Udo's Extrem Lauf entschlossen wir uns spontan dazu gemeinsam auf den Baiselsberg zu laufen. Das ist eine 16 Kilometerlange Strecke bis zum höchsten Punkt unserer Region. Das bedeutete auch vier Kilometer bergauf zu laufen....

Ich muss sagen, dieser Lauf war der beste meines Lebens. Ich konnte von Anfang an mit voller Kraft laufen. Ich schaffte es den Berg hinauf und ich konnte nicht anders als nur zu strahlen vor Glück. Die Beine liefen und liefen und liefen wie von alleine. Endlich konnte ich wieder etwas leisten und ich fühlte, wie stolz Udo auf mich war.

Aus diesem Laufrausch wurde ich urplötzlich herausgerissen. Es kam eine Zwangspause. Vier Wochen vor dem Lauf zog ich mir eine Gehirnerschütterung zu. Ich konnte knapp zwei Wochen überhaupt keinen Sport machen. Mit Kopfweh zwang ich mich anschließend weiter zu trainieren. Und gerade als ich mich besser fühlte, schaffte ich im Training einen Halbmarathon langsam zu laufen, was dann aber wohl doch zuviel war. Einen Tag später kam eine üble Erkältung. Und wieder konnte ich keinen Sport machen. Eigentlich konnte ich vor dem Wettkampf nur noch zwei Mal kurz laufen und das war es dann. Ich war geknickt und kraftlos.

Ich zweifelte nun stark, ob ich den Lauf durchstehen würde. Und noch immer stand ja mein Traumziel aus, einen Halbmarathon unter zwei Stunden zu laufen... Aber das war noch in ganz weiter Ferne.

 

Der Lauf

Wir starteten vom Dudelhof aus. Karin hatte uns bereits am Samstag komplett verwöhnt und war auch am Sonntagmorgen extra aufgestanden um mir Frühstück zu machen und mich zu verabschieden.

Ich hatte am Abend zuvor zu viel gegessen, wir waren zu spät ins Bett gegangen und ich war furchtbar aufgeregt. So fuhren Udo und ich am Sonntagmorgen zum Rathaus nach Heidenheim, um meine Startunterlagen abzuholen. Udo's Bein war dick und blau. Ich fühlte, wie gerne er gelaufen wäre, aber es war absolut unmöglich für ihn an Sport zu denken... So dachte ich, dass ich jetzt diesen Lauf für ihn laufen möchte. Ich hatte die Fahne für uns hochzuhalten...

Das Wetter war perfekt. Es war recht frisch, die Strecke war eben, die Stimmung am Start gut. Es fiel der Startschuss pünktlich um neun Uhr am Morgen. Los ging es. Zum Glück hatte ich Udo's GPS Uhr dabei. Ich bemerkte schnell, dass ich viel zu schnell gestartet war. Ich wollte meinen Gesamtschnitt immer unter 5:40 Minuten halten. Aber anfänglich war ich deutlich schneller. So bekam ich natürlich auch sofort Seitenstechen. Nach kurzer Zeit war die Freude über die ebene Strecke dahin. Wir hatten ordentlich Gegenwind, der mich von Anfang an viel Kraft kostete. Trotzdem konnte ich bis Kilometer 17 meinen Wunschgesamtschnitt halten. Es war genial, denn Udo, Hemme, Elke und deren Kids standen an der Strecke und feuerten mich an. Ich sah sie mehrfach und es motivierte mich so sehr! Einfach geil gute Freunde und den besten Ehemann der Welt zu haben :)

Insgeheim flammte in mir der Gedanke auf, dass ich vielleicht mein Traumziel trotz fehlendem Training schaffen könnte. Vielleicht war heute DER Tag? Und dann kam es alles anders. Nach Kilometer 17 schien bei mir jemand den Akku Stecker gezogen zu haben. Ich hatte keine Kraft mehr, verfluchte den Wind und wurde immer langsamer...

Kilometer 18. Ich wusste nicht, wie ich noch drei Weitere laufen sollte. Ich schleppte mich aber weiter.

Kilometer 19. Ich wusste das Ziel wird kommen. Aber ich zweifelte trotzdem wie ich es nur schaffen sollte.

Kilometer 20. Ich war der Meinung, viel zu langsam zu sein. Der Rekord war dahin. Ich war aber irgendwie nicht mehr in der Lage zu realisieren, welche Zeit ich gerade lief. Das war ein Fehler. Da ich so schwach war, traute ich mich einfach nicht noch einmal Gas zu geben. Für was auch? Ich würde ja eh zu spät im Ziel sein.

Plötzlich sah ich die Zielgerade. Ich war stolz durchgehalten zu haben. Ich war für Udo, unsere Freunde und das Sportstudio Paul's wenigsten bis ins Ziel gelaufen.

Ich konnte sogar noch einen Spurt hinlegen.

Erst war ich glücklich, dann wurde mir bewusst, dass ich mein Ziel viel knapper verpasst hatte, als ich dachte. Ich war 2:01:29 gelaufen. Sollte ich nun glücklich oder traurig sein? Ich weiß es bis jetzt nicht. Ich weiß nur, dass mir Udo, Karin, Hemme, Elke und die Kids ein tolles Wochenende bereitet haben.

Und wenn der Muskelkater weg ist, werde ich weiter trainieren, um irgendwann meinen Rekord aufzustellen. Leute, ich komme wieder :)))