Mein 1. Marathon

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Am Sonntag, 30.04.2006, 09.00 Uhr, sollte es endlich losgehen. Das Training, die Vorbereitungen, die Rückschläge - nun gab es kein Zurück...

Zunächst aber doch zurück. Wenn mir einer vor 15 Jahren gesagt hätte, dass ich mal einen Marathon laufen würde, hätte ich ihn mit meinen über 100 kg ausgelacht. Damals, wenn ich mich mal sportlich betätigte (beschränkte sich meist auf den Winter, denn im Sommer trainierte ich nur in der Halbliter-Klasse), stemmte ich Gewichte und lief vielleicht mal 5 km am Stück.

Na ja, es kam dann doch ganz anders. Zunächst nahm ich ab - Gottseihdank, denn wenn nicht, dann wäre wohl meine Traumfrau eine TRAUMfrau geblieben. Und dann wollte ich laufen und zwar immer mehr und immer weiter. Ich trainierte auf den Stuttgarter Halbmarathon und musste jedes Jahr aus irgend einem Grund absagen. Ich war dann letztes Jahr wieder für Stuttgart (Juni) angemeldet und erlitt 2 Wochen vorher einen Muskelfaserriss - Sche*ße. Nach dem Motto: Niemals aufgeben, meldete ich mich für Karlsruhe (September) im Juli an. 2 Wochen nach meiner Anmeldung hatte ich einen Leistenbruch und wurde sofort operiert - nee, oder? Egal, es waren ja noch 8 Wochen bis dahin. Nach 5 Wochen Pause und 3 Wochen Training kam ich doch noch in Karlsruhe in 1:38:03 Stunden im Ziel an.

Ja, und dann wollte ich mehr - nix mehr halb, nein, nein. Und so meldete ich mich für den Marathon in Freiburg (02. April) an. Ich trainierte wie ein Ochs, egal ob bei Schnee, Hagel (aua!), Minustemperaturen. Ich war bereit - ich war fit - bis 2 Tage vor dem Lauf. Ich bekam eine Erkältung, die mich komplett umw*chste. Sche*ße - was nun, sollte das ganze Training für'n *rsch gewesen sein. Ich wollte ja nur einmal einen Marathon laufen, denn das Training ist mir zu zeitaufwändig - Läufe von über 30 km sind echt geil...

Also, musste ein anderer orts- und vor allem zeitnaher Lauf her. Da blieb nur noch Salzburg - gebongt. Mit Erkältung am 02. April online gebucht. Das Schlimme war jedoch, dass ich alleine nach Salzburg reisen würde, denn meine Frau, Tina, musste arbeiten ohne Chance freizubekommen. Aber wie so oft unterstützte sie mich bei meinem Vorhaben. Das Gute an Salzburg war, dass ich bei einem guten Bekannten, den ich durch das Shire Horse Forum kennengelernt hatte, übernachten konnte. So reiste ich schon am Samstag, 29. April nach Austria. 

Michael "Stingray"  und seine Frau waren die perfekten Gastgeber. Michael wurde sogar mein Manager (heißt: er fuhr mich hin und hielt meine überflüssigen Klamotten während dem Lauf...).

Der Startschuss erfolgte pünktlich um 09.00 Uhr. Es waren 2 gleich lange Runden zu laufen. Ich war nervös und lief einfach los. Völlig locker und entspannt, blieb ich sogar 15 Sekunden/km unter meiner gewünschten Zeit.

Die letzten Kilometer der 1. Runde unterhielt ich mich ganz easy mit einem gleichaltrigen Engländer aus London, der für seine erkrankte Frau den Halbmarathon lief.

Die erste Hälfte in schlappe 1:40 gelaufen - also eigentlich alles in Butter bis...

...die 2. Runde begann. Es sollte die Hölle folgen. Plötzlich waren kaum noch Läufer unterwegs, denn die meisten hatten doch die halbe Strecke gewählt. Zuschauer waren so oder so an diesem sehr sonnigen, wenn auch frischen (4 bei Beginn; 8 Grad im Ziel) Morgen, so gut wie keine vorhanden - es war sehr einsam. Ich wurde langsamer, aber dachte zunächst, dass alles ok wäre. Ich nahm mir Zeit einen Riegel zu essen und zu trinken. Bei Kilometer 25 wurden meine Beine schwer - und wenn ich sage schwer, dann meine ich SCHWER! Ich wurde noch langsamer und die ersten Verspannungen wurden merkbar.

Bei Kilometer 30 dachte ich, dass ich jede Sekunde irgendwo an meinen Beinen einen Krampf bekommen würde - die Stelle hat sich ständig abgewechselt. Meine eigene Zeitvorgabe längst in den Wind geschrieben, musste ich Gehpausen einlegen - es waren ja noch 12 km zu absolvieren. Nur wie? Ich ging, ich lief, ich ging. Die Schnellen waren schon alle weg (schon im Ziel!) und der Rest, der quälte sich durch. Immer wieder standen welche am Straßenrand und erholten sich. "Auf geht's, Du packst es!", "Die letzten 5 schaffen wir auch noch!". Ermunternde und so notwendige Worte! Der Witz war ja, dass ich konditionell noch super drauf war - wie bei einem Kleinkind, dessen Oberkörper immer schneller sein will, als seine Beine!

Ich weiß nicht, wie oft ich aufhören wollte, aber ich konnte ja nicht, oder? Ich wollte es einmal schaffen und noch mal so viel Zeit für das Training zu investieren, wollte ich nicht - also, durch.

Ich biss und biss und biss und als der letzte Kilometer angezeigt wurde, wollte ich es noch mal wissen und lief diesen in 5 Minuten - nur um mir selber zu beweisen, dass es nicht an der Kondition lag. Hätte ich einen Krampf bekommen, so hätte ich diesen ja gehen können. Als ich das Ziel überquerte, hielt die Uhr bei 3:55:06 Stunden an.

Im Ziel wurde ich zunächst vom Stingray beglückwünscht. Ich kniete nieder und war fassungslos. Ich wollte in diesem Moment nicht sprechen und eigentlich ganz alleine sein. Ich hatte es geschafft. Ich konnte die Tränen der Freude, der Erschöpfung und des Schmerzes nicht ganz verhindern - aber es war mir egal.

Ich hatte nämlich gerade 42,195 km hinter mir gelassen. Eine Strecke, die keiner verstehen kann, der sie selber nicht schon gelaufen ist. Eine Strecke, die die meisten unter uns auch nie schaffen werden. 5, 10 oder 21 km sind dagegen echt Peanuts. Und genau deshalb ziehe ich vor jedem meinen Hut - egal ob er den Marathon in 2 oder 6 Stunden schafft.

Ich werde diesen Lauf niemals vergessen, weiß aber auch, dass dieser Marathon mein 1. und Letzter bleiben wird.

 

 

Dachte ich zumindest bis zum Sonntag, 29. Juli, 2007...

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