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Sonntag, 08. Mai, 2011
An einem kalten Winterstag im Januar 2010 während MANOWARs Death To Infidels Tour sprachen David und ich darüber irgendwann gemeinsam einen Marathon laufen zu wollen. Tja, und wie es so ist wenn zwei Brothers Of Metal über Ziele sprechen - dann kannst du mal getrost deinen Arsch darauf verwetten, dass sie diese Ziele auch verwirklichen werden - das ist nämlich der Unterschied - wir hören nicht nur Heavy Metal an - wir leben Heavy Metal...
Ich wollte schon länger den Marathon in Prag laufen. Er war flach und ich war noch nie in Prag gewesen. Der letztendliche Entschluss wurde nach dem Marathon in Athen gefasst.
Ich schrieb David eine Email und er war sofort bereit die Herausforderung anzunehmen. Lars, der auch schon längers über einen Marathon nachgedacht hatte - dachte weiter. "Glaubst du ich kann es schaffen?" Ich sagte ja - sofern er seinen Arsch hochbekommen würde. An unser Weihnachtsfeier fasste er nun auch den Entschluss daran teilzunehmen. Ich hatte ein Thema im House Of Death eröffnet und urplötzlich fragte mich Paddy dieselbe Frage. Ich war etwas überrascht, wusste zugleich, dass Paddy ein echter Ire war.
So begannen wir vier mit dem Training. Mein Training lief perfekt und ich dachte ich könnte meine persönliche Bestzeit oder sogar die magische Grenze von 3:30 Stunden unterbieten. Die Monate vergingen und die Neulinge benötigten des Öfteren einen Tritt in ihre Allerwertesten - einige mehr - einige weniger (aber mir wurde gesagt, dass sie ihre Tritte allesamt sehr genossen hatten!). David musste mit einem harten Winter in Kroatien kämpfen, Paddy hatte immer wieder kleinere Verletzungen, die ihn zum Pausieren zwangen, während Lars mal wieder mit sich selbst zu kämpfen hatte. Und dann stand der Tag vor dem Rennen plötzlich vor der Tür...
"The time has come all the training done The muscle and the blood will come to pay"
Wir kamen in Prag an - natürlich nicht nur wir vier, sondern wir wurden von fast 25 Warriors aus aller Welt begleitet. Sie waren bereit an unserer Seite zu stehen und uns anzufeuern (und natürlich auch das gesamte Wochenende über zum Rocken, Trinken und Feiern!). David, Paddy, Lars und ich gingen zur EXPO um unsere Startunterlagen abzuholen. Wir waren sehr aufgeregt und man konnte die Anspannung in unseren Augen sehen. Ich denke, dass ich wohl die Geschichte noch am gelassensten hinnahm, da es ja bereits mein 7. Marathon war.
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Wir aßen gemeinsam zu Abend und gingen dann zurück ins Hotel. Ich hatte noch einen Absacker und ging dann auch ins Bett. Ich bin am nächsten Tag um 6 Uhr morgens aufgewacht und fühlte mich ganz gut! Wir hatten ein gemeinsames Frühstück und gingen in Richtung Startlinie.
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Viele der Warriors standen mit uns auf. Es war einfach großartig so viel Unterstützung von seinen Freunden zu erhalten. Tina war völlig aufgeregt - viel mehr als ich es selber war. Ich denke so etwas könnte man wahre Liebe nennen.
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Noch ein letztes Bild bevor die "Four Runners Of Steel" auf die Bahn gingen - 42,195 km lagen vor uns.
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Das Wetter war wunderschön und sonnig als der Startschuss um 9 Uhr fiel. Es war bereits ziemlich warm. Meine Stimmung war gut und ich war relaxt. Ich wollte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 4:55 min/km halten - wenn nicht - dann eben nicht...
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Die ersten 8 - 9 km waren einfach nervig und zwar total. Wie bei jedem Rennen hatten sich beim Start langsamere Läufer viel weiter vorne als in ihre eigentlich ihnen zugewiesenen Startblöcken aufgestellt. Läufer, die wussten, dass sie langsamer laufen und somit den (wesentlich) Schnelleren im Wege sein würden. Wegen solcher Idioten musste ich hin und her springen um an ihnen vorbeizukommen. Ich verstehe ganz einfach beim besten Willen den Sinn nicht!
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Es war echt witzig - oder eigentlich nicht - hatte man Rückenwind war es verdammt heiß nach ca. 2 Stunden, wechselte man aber die Richtung hatte man einen sehr kalten Gegenwind im Gesicht. Zumindest war das Rennen tatsächlich sehr flach. Ich war ganz gut unterwegs und konnte die 1. Hälfte in 1:45:15 Stunden komplettieren. Ich wurde zwar dann etwas langsamer - die Mitte eines Marathons ist immer sehr anstrengend für die Psyche - aber ich sagte mir, dass ich bestimmt zum Schluß hin - wie in Athen - wieder Vollgas geben könnte. Irgendwann mussten wir eine Kehrtwende machen und da liefen sich die Läufer von Angesicht zu Angesicht. Ich sah David und Paddy, die echt noch topfit aussahen. Ich hoffte auch Lars zu sehen aber leider hatte es nicht gereicht.
Ich lief weiter und immer weiter und wurde dabei aber auch immer langsamer. Meine Kondition war ok aber meine Beine wurden schwerer und schwerer. Einen Monat vor dem Rennen sprach ich mit einem der den Marathon kannte. Er sagte mir, dass das viele Kopfsteinpflaster für die Sehnen und Bänder tödlich sein könnte. Ich schätze, dass ca. Dreiviertel vom Rennen Kopfsteinpflaster war. Der Boden war dadurch völlig uneben und die Beine mussten dies ständig ausgleichen - es wurde zur Hölle...
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Warriors Of The World United
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Ich denke nur ein Langstreckenläufer weiß wie wichtig und großartig es ist während eines Rennens unterstützt zu werden. Unsere Mannschaft stand bei 4 km, 12 km, 33 km und im Ziel parat, um uns anzufeuern.
Nach dem ich 30 km gelaufen war und meine Pace über 5:00 Minuten lag, dachte ich nur noch an eins - dass ich bald Tina und meine Freunde sehen würde. Ich wollte unter 3:30 Stunden laufen und wusste zu diesem Zeitpunkt, dass ich dieses Ziel verfehlen würde. Das sind wohl die schmerzhaftesten Momente eines Läufers - wenn du realisierst, dass du dein Ziel nicht erreichen wirst. Du hast noch 12 km vor dir und dein Gehirn fragt dich ständig warum du eigentlich weiterläufst. Glaubt mir, das ist ein wahrer Kampf, den man gegen sich selbst kämpfen und bestehen muss.
Und dann standen sie da und schrien sich die Lungen heraus um mich anzufeuern. Hätte ich da aufhören können - nein, niemals! Ich wäre weitergelaufen egal was!
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Es waren noch 9 km zu laufen und ich dachte, dass ich vielleicht noch meine persönliche Bestzeit brechen könnte. Tja, dieser Traum würde jäh zerstört. Es kam die nächste Strecke mit großen Kopfsteinpflastern und jeder Schritt wurde zur Qual. Ich dachte jeden Augenblick würde irgendetwas in meinen Beinen reißen - die Stellen wo sich ein Krampf aufbaute, wechselten sich zwischen Waden und Oberschenkeln, links, rechts, vorne und hinten stets ab...
So wurde ich noch langsamer und hasste jeden verfluchten Meter dieser verdammten Strecke. Dann - endlich waren die letzten Meter in Sicht. Ich lächelte und sah meine Freunde. Ich lief zur Bande und gab meiner geliebten Frau Tina einen Kuss bevor ich über die Ziellinie lief. Mir war meine Zeit inzwischen egal geworden. Ich wusste ich hatte an diesem Tag - auf dieser Strecke - mein Bestes gegeben. Hätte ich mein Ziel ohne Kopfsteinpflaster erreicht? Wer weiß - aber du kannst deinen Arsch darauf verwetten, dass ich niemals aufgegeben werde um es herauszufinden... ;)
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Ich erreichte die Ziellinie nach 3:42:54 Stunden, was bedeutete, dass es mein zweitbester Marathon war.
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Ich war so überglücklich alle nach dem Rennen zu sehen. Meine Stimmung war gut und als mir Tina ein Guinness überreichte (bereitgestellt von unserer Biermaschine Lino), war ich im Paradies. Das Bier war warm aber es war trotzdem eines der Besten in meinem Leben!
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Ich genoss es auch alle anderen Läufer auf ihre letzten Meter noch anzufeuern. Die Atmosphäre während diesen letzten Momenten ist immer sehr aufregend und spannend. Wenn man in die Augen der Läufer schaut ist es wie wenn man ein Buch lesen würde...
Und natürlich der großartigste Moment nach dem Beenden meines eigenen Rennens war - halt, ich meine Drei - zu sehen wie Paddy, David und Lars wie echte Warriors - aufrecht und stolz - über die Ziellinie liefen.
Und verdammt, ich war echt stolz auf die Drei - sie hatten gerade ihren ersten Marathon geschafft. Jetzt wussten auch sie was nur ein Marathonläufer weiß.
All Hail Lars, David und Paddy.
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Paddy 4:25:26 Stunden.
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David 4:33:41 Stunden.
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Lars 5:00:14 Stunden.
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Es war ein unglaubliches und unbeschreibliches Gefühl neben meinen Brüdern nach solch einem gemeinsamen und überstandenem Kampf zu stehen.
Und wieder einmal hatte das House Of Death bewiesen, dass es was Besonderes war - unsere Bruderschaft sucht seinesgleichen. MANOWAR und ihre Musik hatten uns vereint und nun stehen wir da - wie eine eins. Jedes Treffen schweißt uns noch mehr zusammen - unsere Freundschaft stets wachsend und unsere Bindung immer stärker werdend.
Und ja, wir werden uns wieder treffen, immer und immer und immer wieder...
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