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Midwest  Pacific West

14. Tag: Montag, 31. Mai 2004

Früh aufgestanden und im Zimmer mit einem dünnen Motel-Kaffee und gekaufter Wurst mit Bagels, die sehr trocken waren, gefrühstückt. Nun sollten wir die US Route 66 zum ersten mal verlassen. Es ging um 10 vor 9 nach Norden in Richtung Monument Valley. Über Shiprock, der nach einem Felsen benannt wurde (Heh, guck mal der Fels sieht aus wie ein Schiff  – Eh, Ship heißt ja schließlich auch Schiff – konnte ich doch nicht wissen – Na, dann!), ging es danach zum Four Corners Monument. Es ist ein Schnittpunkt, wo sich 4 Bundesstaaten treffen. Mit einem Schritt von New Mexico nach Arizona (unser 7. Bundesstaat) nach Utah (der 8.) nach Colorado (der 9. – wenn auch nur ein paar Schritte) und zurück nach New Mexico – coole Sache.

Auf ging’s nach Kanab, dem Anfang von Monument Valley, wo wir bei Burger King nur (!) was zum Trinken gekauft hatten. Anschließend machten wir am Straßenrand (es hat eine Weile gedauert, bis ich mit einem Standort zufrieden war, hehe) mitten in „Marlboro-Country“ Mittagspause und aßen dasselbe wie zum Frühstück – nicht sonderlich gut, aber gesund (Applause bitte).

Gestärkt fuhren wir in den Monument Valley National Park und es war wieimmer sonnig und sackheiß. Sollten wir durchfahren (es gab nur eine holprige Staubstraße), durchwandern (siehe vorigen Satz) oder doch einfach zu dem Stand vor unseren Augen gehen und fragen was ein Ausritt so kosten würde? War ja klar, oder? Nach zähen Verhandlungen über das wo und wann (über das wie viel gab es nix zu verhandeln), mussten wir doch zuerst mit unserem Stratus den staubigen Feldweg hinab fahren, um zum Standort der Pferde zu gelangen. Eine Schweizerin, die zum Betrieb gehörte, sollte mitgehen um zu übersetzen. Letztendlich wie es sich später herausstellte, wollte sie nur mit reiten, um nicht mehr oben am Stand den Lockvogel für europäische Touristen spielen zu müssen, denn das Übersetzen übernahm ich – sie war ein wenig – na, sagen wir einfach (&) langsam. Sie hat nach unserem Ausritt einen Wahnsinnsanschiß vom Chef kassiert – hehe... Aber nun zurück zu uns und den Pferden und unserem Ausritt.

Unten im Tal angekommen mussten wir kurz warten, da die Pferde immer noch unterwegs waren. Es ging dann los und unser Guide ein echter Navajo Indianer, namens Marvin (ja mei, wir schreiben ja schließlich das Jahr 2004), musste mein lahmes Pferd (noch lahmer wie im Palo Duro Canyon), namens Comanche, zuerst einmal „in Gang“ bringen. Er sagte ich müsste ihm zeigen wer der Chef ist. Ich schaute ihm zu und kam zu dem Schluss, dass wenn ich so mit meiner Württembergerin umgegangen wäre, sie mich abgeworfen hätte und anschließend durchgegangen wäre!!! Andere Länder - andere Pferde. Danach lief mein Mustang ganz gut – so geil wie Tinas Pferd natürlich nicht, aber trotzdem. Also ging’s zwei Stunden lang im Schritt, im Trab und im Galopp über Stock und Stein - Berge(!) hoch und runter. Leckfett, und wie es da runter ging. Tina hatte es nicht geglaubt, dass wir es heil schaffen, aber wir taten es doch. Danach Fotosession mit Marvin und den Pferden. Wir fuhren zurück zur Highway und weiter in Richtung Norden. Es war schon nach 6 und wir hatten noch ein gutes Stück vor uns. Also gab ich Gas, denn die Straße war breit, sie war leer und es war schon spät. Immer mit einem Auge im Rückspiegel und dem anderen nach vorne in die Ferne schauend, fuhr ich und fuhr ich – bis uns ein weißer Pick Up kurz vor dem Örtchen Bluff entgegenkam und plötzlich umdrehte.

Als die Blau- und Rotlichter im Wageninneren (solche hinterlistige Schw**ne) angingen, wusste ich: jetzt wird’s Kacke. Der Deputy wollte meinen Führerschein und den Fahrzeugschein. Da man bei einem Ami-Mietwagen keinen Fahrzeugschein mitbekommt, teilte ich ihm dies mit. Wir waren deutsche Touristen auf unserem Honeymoon. Daraufhin teilte er mir wiederum mit, dass ich statt 65 mph satte 85 mph gefahren war – was ja gestimmt hatte. Man muss wissen, dass die Streifenwägen in den USA mit einem Radargerät ausgestattet sind, welches das Blitzen in jeder Lage möglich macht – Prima Geschichte, gelle. Als ich ihm meinen Führerschein ausgehändigt hatte, tat ich es so, dass er meinen International Police Association Ausweis deutlich sehen konnte. Keinerlei Reaktion – man bist du blind oder einfach blöd, dachte ich (denken ist manchmal besser wie sprechen, wie es sich später herausstellten sollte). Er teilte mir des weiteren mit, dass der Verstoß gelöste $ 200 in Bar (keine Kreditkarten, oder Reiseschecks möglich) kosten würde – sonst Knast.

Schluck, gut, dass ich so ausgetrocknet war, sonst wäre womöglich ein kleines Unglück passiert. Tina kam auch ins Schwitzen und sagte zu mir, dass ich nun was machen müsste – also offenbarte ich mich. Ich bin deutscher Polizeibeamter und meine Frau ist es auch. Er schwieg, dachte nach und schwieg – wir schwiegen, schwitzten, schwiegen und schwitzten weiter. Er sagte er könnte runter gehen auf $ 80. Habe ich auch nicht in Bar! Schweigen. Er teilte uns nun mit, dass es ein sehr anstrengendes Wochenende war und er uns aufgrund dessen ohne Verwarnung gehen lassen könnte (ich hab’s nicht geblickt – habe aber auch nicht nachgefragt). Zum Schluss übergaben wir ihm ein baden-württembergisches Polizeiabzeichen. Ganz zum Schluss sprach er uns auf deutsch an, da er nämlich als Soldat zwei Jahre in Gießen stationiert gewesen war (jetzt endlich kapiert warum denken besser ist, als reden?).

Fertig wie ein Schnitzel fuhr ich los und stellte den Tempomat auf genaue 65 mph ein. Ein weiteres Erlebnis – cool, dachte ich – nach dem wir es heil überstanden hatten. Der Hunger war auch vergangen. Wir fuhren durch bis Moab, unsere nächste Station. Um 20.30 Uhr, im Ort angekommen, bestellte ich eine Pizza (der Hunger war nach 640 gefahrene Kilometer doch wieder da!), die in unser Motel6 geliefert wurde und zwar genau als wir eingecheckt und ich das Bier kalt gestellt hatte – I love America (meistens)!Gegessen und eine auf dem Parkplatz gequalmt. Hierbei wurden wir fast von einer Million Stechviecher gestochen. Tina badete und ich saß mich dazu (lechz!) und schrieb mein stichwortartiges Tagebuch. Wir gingen dann sehr sehr müde ins Bett und schliefen wie zwei Tote.

15. Tag: Dienstag, 01. Juni 2004

Länger geschlafen wie sonst und gerade noch bei McDonald’s die letzten drei McGriddles ergattert. Sogar der Kaffee war gut. Gegenüber war eine Waschanlage, so dass ich unsere dreckige Kiste – man konnte kaum den Kofferraumdeckel berühren – gewaschen habe. Danach ging’s ab in den Arches National Park, wo wir die über 2000 sooo geilen Felsgesteine und Naturbrücken aus der Nähe betrachten wollten. Zunächst fuhren wir einfach durch den Park auf der ca. 30 km langen Straße bis Devil’s Garden, wo wir loswandern wollten. Durch den langen Schlaf war es bereits High Noon und man wird es kaum für möglich halten – es war sonnig und sackheiß.

Egal, wir wanderten von Arch zu Arch und staunten nicht schlecht. Jeweiter wir uns vom Parkplatz entfernten, desto einsamer wurde es – Gottseihdank, weg von den Touris (igitt). Der Pfad war echt gut zu wandern, aber ich musste halt, ab und zu noch auf die Felsen hinaufklettern, weil’seinfach geil war (und ich ein Mann bin, hehe).

Nach 2 Stunden waren wir am Ende des Trails angekommen und weil wir nicht den gleichen Weg nach Hause gehen wollten, nahmen wir den sog. Primitive Trail, der als Rundgang den normalen Trail verbindet. Das sollte zu einem kleinen Abenteuer werden, denn der „einfache“ Trail ging auf und ab. Teilweise musste man über aalglatte und sehr steile Felswände nach unten – auf allen Vieren. Und das spannende daran war, dass man eigentlich nie gesehen hat, wie der Weg weiter ging. Aber ohne sonstige Menschen genossen wir eine grandiose Naturlandschaft. Nach insgesamt 4 Stunden waren wir dann am Parkplatz wieder angekommen – sehr fertig (es reichte), aber sehr zufrieden und selig.

Geduscht und nach einem Blick in den Guest Guide (für Touris, hehe) ging’s in das darin empfohlene Smokehouse um Spare Ribs zu genießen. Wir gingen zu Fuß und mussten gleich wieder schwitzen. Das Lokal machte einen seltsamen Eindruck – es war zweigeteilt mit zwei Eingänge. Einen zur Bar, wo die meisten aufgrund der Happy Hour bereits um halb 6 komplett strack waren – dort war auch die Toilette - der andere zum Restaurant. Wir dürften uns selbständig einen Tisch raussuchen, was uns irgendwie nicht so sehr gefiel – der Kontakt und die Begrüßung an der wir uns so gewohnt hatten, fehlten. Wir saßen nur kurz und wechselten gleich mal den Tisch, nach dem der Erste ein wenig wacklig war. Wir bestellten bei einer etwas unfreundlichen Bedienung und erhielten Spare Ribs und Bohnen und sonstiges – alles leider etwas kalt und nix gut.

Als ich zum Zahlen an die Kasse ging, wurde Tina gleich mal von einem Happy Hour Typ, der sich wohl am Eingang verirrt hatte, angesprochen. Sie blieb cool und führte ihre 1. Englischsprachige Unterhaltung. Sie war stolz – ich auch, auch wenn ich mich über die Blicke des Typs aufregen musste.

Auf zu der von mir tags zuvor entdeckten Bar, The Poplar Pub. Es war auch ein Restaurant, aber egal, wir nahmen an der Theke Platz. Das Lokal hatte einen Eingang. Linksseitig waren mehrere Tische zum Speisen, rechts die Bar. Die Bar war durch ein Geländer von den Speisetischen getrennt. Ja, und jetzt kommt’s. Ich bestellte mir ein Bier und für Tina einen Margherita. Die Barkeeperin schaute mich an und teilte mir mit, dass es an der Bar keinen Schnaps o. ä. geben würde. Huh, was, wie? Die Erklärung folgte. In dem Mormonenstaat Utah (Utah entwickelte sich langsam zu meinem Liebling-Staat, hehe), war es verboten hochprozentige Getränke ohne Essen zu servieren. Ihr müsst euch an einen Tisch setzen, was zum Essen bestellen, dann gibt’s Schnapes. Wir haben schon gegessen. Ja, es ist doch egal was ihr esst – es würde auch eine Tüte Chips reichen. Aha!?! War irgendwie logisch, oder? Die Bar war immerhin ca. 1 m von den ersten Speisetischen entfernt. So einen Sche*ß wollte Tina nicht unterstützen und so trank sie mit mir Bier. Gegen später kam einer rein, der genauso blöd aus der Wäsche geschaut hatte. Er hat allerdings Chips gegessen. 

Nach ihm kam ein witziges Schwein in die Bar. Riesengroß und wohlbeleibt, saß er zu uns. Man kam ins Gespräch – Tina war er von Anfang an unsympathisch, was sich aber kurzzeitig änderte. Er war alleine im Urlaub unterwegs (warum nur alleine, hehe). Er wohnte in L.A. und war jedoch in Chicago geboren. Cool – einer der die US Route 66 in der Neuzeit gefahren war – zumindest vom Gedankengang her (let’s go West...). Interessant wurde es als er sich Nachos bestellte. Diese wurden mit verschiedenen Dips serviert. Nach dem er ein wenig rumgeknabbert hatte, bestellte er sich eine Riesenpizza (hätte locker für zwei bis drei gereicht). Als diese kam und er angefangen hatte, diese zu verschlingen, war er Tina wieder unsympathisch. Würg und igitt – wie der mit seinen Wurstfingern die Pizzastücke vermanschte und in sich rein fraß. Schwein, eben. Er aß jedoch eigentlich nur ein Drittel und erzählte uns, dass er den Rest morgen essen würde. Als er bezahlte nahm er seine übrigen Chips und Dipsaucen und leerte alles in den Karton bzw. auf seine Pizza – man war der eklig, aber ich fand ihn trotzdem lustig (einer Einladung zum Abendessen, hätte aber auch ich dankend abgelehnt!).

Eins noch in Ruhe getrunken und anschließend einen wunderschönen Spaziergang nach Hause. Die Temperatur war angenehm und der Mond schien helle, gelle. Geredet und Tina noch erzählt, dass wir zwar morgen weit fahren müssten, aber es gäbe nix zu sehen und somit würde es einfach eine entspannende Fahrt werden. Mal wieder tot ins Bett.

 

16. Tag: Mittwoch, 02. Juni 2004

  

  

Komplett gerädert aufgewacht – die gestrige Wanderung war bis in die letzten Knochen zu spüren. Süße Stücke und einen Starbuck’s Kaffee auf dem Parkplatz vom Mc, dessen Toiletten wir benutzten, gefrühstückt. Losgefahren und gefahren und gefahren und irgendwann waren wir im Capitol Reef National Park. Riesige rote Felsen aus dem nichts. Also, wurde es nix mit der entspannenden Fahrt. Wir schauten uns die Teile an und machten ein Picknick im Freien (wäre es sonst ein Picknick gewesen?). Weitergefahren und plötzlich mitten in einem riesigen Wald gestanden, dem Dixie National Forest. Hoch gefahren und wieder runter. Anschließend kam der sog. Escalante Staircase, wieder abartige Stein- und Felslandschaften, diesmal in gewohntem grau. Weitergefahren und am Bryce Canyon vorbei, den wir am tag darauf bewandern wollten. Anschließend aus dem Auto noch die Felsen des Red Canyon angeschaut. Man, waren die rot, wie unecht. Auf zum vorbestellten Motel6 in Beaver. Ich wollte doch sicher gehen. Auf der unendlichen Fahrt dorthin (100 km) sah ich mehrere günstige Motels mit freie Zimmer – Kacke, wenn man es immer wissen würde. Die Straße wurde kurviger und bergiger und ich regte mich dermaßen auf, weil ich wusste ich würde diese Strecke noch zweimal fahren müssen (zum Bryce und wieder zurück). Wir waren auch beide echt am Arsch – statt Erholung war es wieder eine Fahrt mit so dermaßen wahnsinnig unbeschreiblichen Eindrücken, die einen förmlich erdrückten.

Das Motel6 endlich in Sicht, freuten wir uns mal wieder zu Hause zu sein. Zunächst aßen wir einen Burger bei Wendy’s – das sollte reichen. Ich ging dann zur Lobby des Motel6 und dachte mir, hier riecht es aber komisch – wie in einem indischen Imbiss. Nach dem Klingeln, erschien dann des Rätsels Lösung. Der Motelpächter war ein Inder oder ein Srilankenese oder so was ähnliches. Ich mag ja indisches Essen, aber es darf bitte frisch sein. Es roch schon irgendwie alt und igitt. Im Zimmer würde es schon gehen, so dass ich gleich für beide Nächte bezahlte. Tina und ich gingen zu unserem Zimmer und uns traf der Schlag. Zwei riesige Kotzflecken zierten unseren Teppich, aber es roch zumindest nicht indisch, hehe. Nach 560 anstrengenden Kilometer schaute mich Tina mit glasigen Augen an und wollte gleich wieder gehen. Ich versuchte sie zu beruhigen und holte den Motelmanager, der mir weiß machen wollte, dass die Kotze keine Kotze war. Ich wurde laut und beleidigte ihn auf Deutsch immer wieder mal ohne, dass er es merkte, hehe. Wir erhielten ein neues Zimmer, aber für Tina wurde es nicht besser. Sie fand alles ekelig. Weiterfahren kam nicht mehr in Frage, so bezogen wir das Zimmer.

Draußen auf einem Randstein auf dem Parkplatz sitzend, wurden wir zwar von vorbeifahrenden Lkw immer wieder mal eingestaubt, genossen jedoch die abendliche Stimmung und redeten über dies und das, über die Vergangenheit und über die Zukunft. An solchen Tagen war das Heimweh bei Tina groß. Aber der Mondaufgang entschädigte uns für vieles (nach dem die Sonne hinter Wolken untergegangen war). Es wurde frisch und wir verlegten ins Zimmer, um den Abend mit einer Runde Kniffel zu beenden.

 

17. Tag: Donnerstag, 03. Juni 2004

Völlig überraschender Weise wachten wir beide völlig fit auf. Wir hatten beide (!!!) super geschlafen. Also, waren wir uns einig, dass wir doch noch die nächste Nacht im Imbiss schlafen würden. Frühstück bei Mc und ab zum Red Canyon. Wir gingen eine halbe Stunde umher, um ein paar Fotos zu schießen und fuhren weiter zum wohl schönsten Canyon, dem Bryce Canyon. Wir wanderten fast 4 Stunden durch die tropfsteinartige (nach oben getropft) Felslandschaft. Es ging berghoch und –ab. Es war wie immer – sonnig und sackheiß, so dass wir danach ganz schön erledigt waren. Zur Belohnung gab es ein „Sandwich Ice Cream“. Vanille Eis umhüllt mit einem leicht aufgeweichten Keks – genial. Auf dem Weg zu unserem Imbiss, kaufte ich für Tina und mir in einem designierten Schnapsladen (Utah eben) einen J.D. Wir aßen im Mc und dann wurde es richtig gemütlich.

Geduscht und wieder vors Motel6, aber diesmal hinter dem Indoor Pool. Und genau aus diesem holte ich uns zwei Gartenstühle. Der Abend begann... Wir waren beide so glücklich und selig und schauten dem Sonnenuntergang zu.  Eisgekühltes Bier, J.D. on the Rocks und fette Zigarren. Hierbei beschäftigte sich Tina mit der Digi und schoss bescheuerte „Actionbilder“ von mir mittlerweile besoffenen Strumpf. Allerdings war ich nicht der einzige, so dass die Bilder doch irgendwie immer wieder verwackelt waren. Ich musste noch einen riesigen Mückenschwarm fotografieren – mehr ging nicht mehr. Unseren 1. Sonnenuntergang konnten wir genießen. Und jetzt kommt’s, der Mond, der gestern so dermaßen riesig groß aufgegangen war, machte wohl einen Tag Pause – er war trotz wolkenlosem Himmel nicht zu sehen. Letztendlich war es uns Wurscht, weil der Abend zu einem der bislang Schönsten geworden war...

18. Tag: Freitag, 04. Juni 2004

In guter Stimmung aufgewacht, denn es sollte weitergehen. Völlig gelöste Fahrt nach Page, Arizona – endlich raus aus Utah. Mittags den größten Damm der USA besichtigt. Der Glen Dam war echt überwältigend. Einen Snack bei Colonel Sanders eingeworfen. Danach ein wenig in der Stadt nach Ausgehmöglichkeiten gesucht, aber nix gefunden – aufgrund dessen und weil wir noch fertig von der gestrigen Feier waren und weil es noch sackheißer war wie sonst, haben wir uns einen kleinen Streit gegönnt (Tina gezickt und ich rumgemotzt). Nach dem wir uns beruhigt hatten, gingen wir kurz Einkaufen und checkten dann im Motel6 ein. An der Rezeption fragte ich wo man so in Page hingehen könnte. Und die gute Dame wusste Bescheid – geil. Am Pool ein wenig ausgespannt und geschwitzt. Ich konnte gar nicht barfüßig rumlaufen – die Steine waren wie Kohlen – aua.

Gerichtet und zu Fuß zum Restaurant Fiesta Mexico. Dort gab es das Leckerste mexikanische Essen auf dieser Welt – Punkt! Tina bekam noch einen geilen Margherita und die Stimmung unsererseits wurde in ungeahnte Höhen katapultiert. Auf dem Weg zu Windy Mesa, einer Bar, wo eine Country Band live spielen sollte, machten wir kurz halt in einem Internet Cafe, um unseren Lieben ein Email zu schreiben.

Im Windy Mesa war völlige tote Hose – außer an der Bar war niemand. Aber siehe da: ein Billardtisch. Also spielten wir zum 2. mal Pool. Es hat Spaß gemacht und nach dem ich die verklebten und bäbbigen Queue abgewischt hatte, trafen wir auch die Kugeln, hehe. Der Laden blieb leer und die Band fing erst um 10 statt um 9 an – aber es war uns egal. Ihr First-Set war echt geil und wir spielten während sie spielten einfach weiter – war irgendwie cool. Nach ihrer Pause waren die Songs  - na, sagen wir es ehrlich: einfach Schrott.

 

 

So spazierten wir durch die Nacht zu unserem Motel und redeten über uns und unseren Urlaub und waren uns hierbei sehr nahe – und sehr einig, hehe. Als ich ins Bett ging, war ich mir sicher, dass neben mir die Beste Frau der Welt liegen würde.

 

19. Tag: Samstag, 05. Juni 2004

Endlich war es soweit. Es ging an den Grand Canyon. Wir erreichten ihn bereits um kurz nach 13.00 Uhr. Man, war das ein Loch – das Größte eben. Wir schauten hinunter und ich studierte bereits die mögliche Wanderwege, die wir morgen beschreiten würden. Wir gingen noch zum Visitor Center und ließen uns beratschlagen. Überall stand, dass man nicht an einem Tag zum Colorado River und zurück wandern sollte – zu weit. Man müsste auch die doppelte Zeit für den Heimweg rechnen. Schade, dabei wollten wir doch zum Fluss – das wäre doch ein geiles Ziel gewesen. Wir entschieden uns für den Bright Angel Trail, denn dieser war zwar stärker frequentiert, aber er hatte alle 1 ½ Meilen eine Wasserstation. Wir wussten, dass wir fit waren (fitter wie der Durchschnitts-Fastfood-Ami, jedenfalls). Wir beschlossen einfach loszulaufen und spätestens nach drei Stunden umzukehren. Ebenso beschlossen wir im McDonald’s vor dem Eingang des Parks zu frühstücken – richtig fett und reichhaltig. Ich fragte nach, wenn dieser öffnen würde. Die Angestellte teilte mir mit, dass man um 5 den Laden aufmachen würde – perfekt, denn wir wollten um ca. 05.30 Uhr dort sein.

  

Danach fuhren wir nach Williams ins Motel6. Der Ort liegt zwar 80 km vom Canyon weg, aber die Zimmer direkt am Eingang waren nicht für unseren Geldbeutel gebaut worden. Wir kauften Proviant ein: Wasser, Müsliriegel, Bananen, Wurst und Wecken.

Es war zwar erst halb 5, aber wir wollten früh essen, um damit auch früh ins Bett gehen zu können. Der Ort Williams lag ja direkt an der US Route 66 und unser Motel6 auch. Das war irgendwie geil - ein sehr schönes Gefühl wieder auf unserer Straße zu sein. Der ganze Ort schmückte sich mit Route 66 Nostalgie. Echt cool und so aßen wir stilgerecht im Cruiser’s. Das Restaurant hatte die Route 66 an der Wand gemalt und war voll im Stil der 50er gebaut worden. Ich gönnte mir geniale (allerdings auch mega-scharfe) Chicken Wings, während Tina gut schmeckende, aber doch sehr fettige, Spare Ribs verspeiste. Da es so früh war, hatten wir das Lokal für uns.

Voll gefressen gingen wir zum Motel zurück – ein wenig wehmutig, da der Ort schon einen besonderen Reiz hatte. Zu dem war es ja Samstag und die Kneipen lachten uns an. Aber nix da – morgen sollten wir den Grand Canyon bewandern und wollten bereits um 4 aufstehen und fit sein. Ganz ehrlich waren wir eh noch von den vorangegangen Strapazen ganz schön erledigt und so machten wir es uns zu Hause gemütlich und gingen bereits um 9 schlafen. Tina stellte ihr Handy-Wecker und ich rief noch bei der Rezeption an, damit die uns ein Wake-Up-Call geben würden. Wir versuchten jedenfalls zu schlafen, aber wir waren beide ganz schön aufgeregt – wegen dem Canyon und auch wegen den ganzen Warnungen bezüglich der Wanderung und den vielen Gesundheitsgefahren...

 

20. Tag: Sonntag, 06. Juni 2004

Topfit und Energiegeladen aufgewacht. Geduscht, Rucksack gepackt (8 Wecken, 500 Gramm Wurst, 4 Flaschen Wasser, 4 Bananen und 12 Müsliriegel – Was willst du eigentlich mit so viele Müsliriegel? Warts ab und außerdem sind die nicht schwer!) und los ging’s. Es war noch ganz schön kalt – keine 10 Grad. Wir fuhren um 04.30 Uhr los und es war dunkel und zwar richtig dunkel – doch die Sonne sollte um 05.10 Uhr aufgehen – perfekt.

Beim Einbiegen auf dem 2spurigen Highway zum Grand Canyon schaute uns eine ganze Familie von Rehen an und ich wusste nun warum es so viele tote Tiere entlang den Highways gab und wann diese totgefahren werden – nämlich nachts. Ohne irgendwelcher fremder Lichtquelle (auch keine Leitpfosten) fuhren wir durch die Nacht. Ich schaltete mein Fernlicht ein, so dass ich wenigstens ein bisschen mehr sah. Und dann war es soweit. Ein Tier lief in die Straße und blieb auf dem Mittelstreifen stehen. Ich bremste und da es ja stehen geblieben war, fuhr ich weiter. Genau auf meiner Höhe machte es einen Schritt nach vorne – wahrscheinlich geblendet von meinem Fernlicht, ich Trottel – und lief in uns hinein. Ein Schlag und es war vorbei – für das Tier zumindest. Tina wurde schier schlecht und auch mir tat es Leid. Das würden ja noch spaßige 70 km werden. Ich machte das Fernlicht aus und fuhr langsamer, völlig angespannt und angestrengt – es gab ja schließlich Schilder, die vor Elche warnten - Ende des Gedankengangs...  Auf jeden Fall war es bereits 05.20 Uhr und immer noch keine Sonne in Sicht. Wir rätselten ab wann der Sonnenaufgang eigentlich zählt.

Irgendwann kurze Zeit später waren wir vor den Toren des Grand Canyon National Parks und damit beim Mc angelangt. Aber was sehen meine Augen – nix, alles dunkel vom großen gelbem M über den Gastraum bis hin zu den Kassen. Moment mal, die eine sagte doch 5. Ah, ein Licht in der Küche. So gingen wir zum dortigen Fenster und ich klopfte. Der braune Mann kam zu mir und ich zeigte ihm meine Uhr und fragte warum der Laden noch zu hätte. Er zeigte mir die Uhr auf dem PC, welche auf 04.30 Uhr zeigte und ging. Der spinnt wohl – super Sache, wollen die uns verarschen? Zurück zum Auto, um im Reiseführer nach der für Arizona geltenden Uhrzeit  zu schauen. Mountain Time. Ja also. Oh Sch**ße, da stand ja noch was. Arizona ist der einzige Staat in den USA, welcher keine Sommerzeit eingeführt hatte. Supi-dupi – woher sollten wir das wissen. Und plötzlich dämmerte es mir. Die Band in Page hatte nicht um 10 angefangen, sondern doch um 9. Das Lokal in dem wir gestern aßen, war deswegen so leer,  weil es erst halb 4 gewesen war. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, weil es erst 04.30 Uhr war. Und deshalb war ja auch der Mc noch zu. Halt mal – dann waren wir ja auch nicht um 4 aufgestanden sondern um 3. Original 2 tagelang nach der falschen Uhrzeit gelebt. Geflucht – gelacht – aufgeregt – gefreut. Gefreut, weil wir früher zum Grand Canyon kommen würden. Tina ging’s wieder besser. Ich konnte keinerlei Tierteile am Auto feststellen – Gottseihdank.

Als es nun doch 5 wurde, stürmten wir zum Mc und bestellten uns geile McGriddles. Man waren die hier teuer – fast doppelt so viel wie sonst wo. Aber jemand meinte es wohl gut mit uns, denn ich musste mit einem Reisescheck bezahlen und die Angestellte gab mit zuviel Rausgeld. Ich wollte was sagen, aber ich war mir ja nicht ganz sicher und ließ es einfach auf sich beruhen (McDonald’s wird’s verkraften, hehe).

So und nun ging’s weiter. Wir fuhren entlang der Straße und plötzlich schrie Tina – halt, Elche! Ich schaute hinüber und sah ein Restaurant mit vielen Tierfiguren davor – na und? Eh, Moment mal – die bewegen sich ja. Tina war völlig außer sich – sie wollte doch so gerne richtige Elche sehen. Ich bremste und sie stieg aus. Sie wollte die Kamera aus dem Kofferraum holen und er ging aber nicht auf. Ich Trottel (schon wieder!), ich war ja noch in „D“ – da geht aus Sicherheitsgründen der Kofferraumdeckel nie auf. Also schnell den Schalthebel in P. Tina schnappte sich die Kamera und war so aufgeregt, dass sie schier kein Bild zustande brachte. Es waren vier Elche, die sich im Eingangsbereich und im Hof des Restaurants aufhielten – Wahnsinn und so abartig cool.

Unsere Laune stieg wieder – vergessen war die Herfahrt. Wir konzentrierten uns auf die folgende Wanderung. Auf dem Parkplatz angekommen, trank ich meinen Kaffee noch aus und schnallte mir den Rucksack (ein wenig schwer, aber ich bin ja ein Mann, also pssst) um. Es war ein herrlicher Tag – es war bereits hell und es hatte ca. 12 Grad. Frisch, aber zum wandern angenehm.

Wir schauten hinunter, freuten uns über den Anblick und liefen um 6 los.Um 6 loswandern – das hatten wir beide auch noch nie gemacht. Ich legte ein ganz flottes Tempo an den Start – ich wollte ja weit kommen. Abwärts und immer weiter abwärts. Der Bright Angel Trail war ein angelegter Pfad mit immer wiederkehrenden ca. 50 cm hohen Stufen. Ganz schön anstrengend, weil man nie richtig in Tritt kam – egal wir waren sooo geil drauf!!!

Und so erreichten wir die erste Wasserstation – 1 ½ Mile Resthouse – in der Hälfte der angegebenen Zeit. Wir hatten 345 Höhenmeter zurückgelegt. Wir machten so gut wie keine Pause und gelangten zur zweiten Wasserstation – 3 Mile Resthouse (644 Höhenmeter) – ebenso in der Hälfte der Zeit. Weiter ging’s zum Indian Garden. Diesen erreichten wir kurz vor 8 und hatten bereits 933 Höhenmeter in 7,5 km bewältigt.

 Endlich ein Schild, welches uns die weiteren Möglichkeiten erklärte. Es waren noch 5 km zum Colorado River und nochmals 450 Höhenmeter. Es war noch so früh und die Temperaturen waren sehr angenehm – gerade mal 20 Grad. So wanderten wir Richtung Fluss – unaufhaltsam und voller Enthusiasmus.

Weiter und immer weiter – ja, wo war den der Colorado River – er müsste doch langsam mal in Erscheinung treten. Es ging auf 9 Uhr zu – unser selbst gesetztes Limit. Wir gingen entlang einem kleinen Zufluss, der allmählich immer größer wurde. Das spannende an der ganzen Geschichte war, dass man immer nur einige Meter weit durch die Schlucht sah...

Doch dann war es soweit: um 5 nach 9 standen wir, Tina und ich, alleine im Paradies. Es war wirklich ein Gefühl wie im Paradies. Man kann es nicht beschreiben, man sieht es auf keinem Bild – man muss es selber gefühlt haben. Trotz den ganzen Warnungen hatten wir beide frisch verliebt und verheiratet es geschafft. Der Blick nach oben zum 1370 Meter höher gelegenen Canyonrand, die Sonne schien und das glasklare Wasser des Colorado Rivers in den Händen. Wir machten in unmittelbarer Nähe ein Picknick und aßen Wurstwecken, Bananen und Müsliriegel. Tina war nicht sonderlich hungrig – ich musste sie ein wenig überreden. Hat auch ein wenig geklappt.

Um kurz vor 10 ging es wieder nach oben – es war bereits deutlich wärmer. Noch kein Problem und so erreichten wir Indian Gardens um 11.30 Uhr. Hier machten wir gleich wieder Rast und aßen nochmals von unserem Proviant. Ach ja, ich hatte noch Karotten als Beilage gekauft. Die Restlichen verfütterten wir an die Mulis, die hier im Indian Gardens ihren Stall hatten. Plötzlich – zumindest kam es uns als plötzlich vor – war es sackheiß.

Als wir um kurz nach 12 loswanderten hatte es 42 Grad in der Sonne, wobei es eh keinen Schatten weit und breit gab. Wir hatten ja noch 7,5 km vor uns. Tina hielt sich an einer Wasserflasche fest und lief mir einfach hinterher. Ich merkte wie mir die Hitze zu schaffen machte. Mein Kreislauf verselbständigte sich und ich dachte immer wieder wie es wohl Tina ergehen würde. Ihr ging’s sichtlich gut und so schafften wir es zum 3 Mile Resthouse. Ich war total am Arsch und trank Wasser wie ein Gestörter. Ich zog mein T-Shirt aus und machte es komplett nass – ich glaube das war meine Lebensrettung. Ich war wieder Herr meiner Sinne und fühlte förmlich wie mein Körper heruntergekühlt wurde. Tina nahm’s locker und so ging’s weiter.

Ich hatte mich komplett erholt und fühlte mich wieder geil. Auf halber Strecke drehte ich mich um, um nach Tina zu sehen. Sie schleppte sich den Canyon sichtlich hoch. Die verdammten hohen Stufen verlangten ihr alles ab – ich hatte meine kurze Wanderhose am Oberschenkel aufgeschnitten, weil sie viel zu eng für die großen Schritte war . Nur noch ein Stück, dann haben wir noch mal eine Pause. Als wir das 1 ½ Mile Resthouse erreichten, war es allerhöchste Zeit. Tina nahm Platz und ich fragte wie’s ihr den ginge. Eine saublöde Frage, denn sie war blass, sie schwitzte und war komplett durchgefroren. Ach du Kacke, was nun, 2,5 km und 345 Höhenmeter vor dem rettenden Ziel. So machten wir Pause und ich versuchte ihr gut zuzureden. Sie entspannte sich ein wenig und wollte los und so gingen wir die letzte Etappe an. Ich machte mir echt ziemliche Sorgen – ich war ja auch an meine Grenzen gegangen. Auf der Hälfte der Strecke mussten wir nochmals Pause machen – wieder Gänsehaut bei Tina – trotz der wahnsinnigen Hitze. Ich sagte sie müsste versuchen was zu essen und sie widersprach mir nicht, sondern aß die letzten 2 Müsliriegel, von den 12, die ich morgens eingepackt hatte.

Ihr Schweiß wurde warm und Farbe kam in ihr Gesicht, so dass wir es mit allerletzter Kraft gemeinsam geschafft hatten. Um 14.30 Uhr, also nach 8 ½ Stunden waren wir am Ausgangspunkt angekommen. Wir hatten 25 km und 1370 Höhenmeter runter und die Selben wieder hoch bewältigt und das bei 42 Grad Hitze. Ich glaube ich habe über 10 Liter (!) Wasser getrunken.

Als wir uns auf dem Parkplatz um die Arme fielen, hatte ich Tränen in den Augen – vor Freude, vor Erschöpfung, vor Glück, vor Zufriedenheit und vor Stolz – stolz auf die eigene Leistung und vor allem so unendlich stolz auf meine Frau, die das Selbe gemeinsam mit- und durchgemacht hatte.

Wenn ich an diesen Augenblick zurückdenke, dann füllen sich meine Augen immer wieder, weil es wohl der erfüllteste Augenblick in meinem Leben war und ich hatte ihn mit Tina erlebt. Verstehen wird mich wahrscheinlich niemand so richtig – außer Tina – aber mehr zählt eh nicht.

Und so fuhren wir wieder Richtung Williams – ich war ein König und neben mir saß meine Königin. Dieser Satz traf allerdings nur am Anfang so richtig zu, denn obwohl sich die Augen meiner Königin selbständig kullerten, musste ich sie zum Schlafen überreden (ich will doch bei dir sein...) – was sie dann auch tat. Chris Cagle sang „What a beautiful Day“ und wie er Gott dafür dankte, dass er hello zu seiner späteren Frau gesagt hatte. Oh what a Feeling – what a wonderful Emotion – yeah what a Life. Ich schaute eine selig schlafende Tina an und fühlte die einzelnen Wörter des Liedes – er sang doch über mein Leben. Ich freue mich schon auf Day 18.253 – dann sind es nämlich 50 gemeinsame Jahre...

Zu Hause angekommen duschten wir unsere strapazierten Körper und machtenuns auf dem Weg zu einem verdienten Abendessen. Kitty’s Steakhouse war das Ziel. Hier bekamen wir das wohl hässlichste Steak der Welt – es war grau, aber schmeckte vorzüglich. Danach war es uns überraschender Weise nicht nach einer Bar, so dass wir zurück zum Motel gingen und jeder eine fette Zigarre puffte. Dazu Bier und JD. Und nach dem absoluten Highlight einfach ausgespannt und völlig tot ins Bett gefallen – wo sind nur meine Beine...

21. Tag: Montag, 07. Juni 2004

Nun sollte es weg von der Natur gehen. Heute war Las Vegas in Nevada, der nunmehr 10. amerikanische Bundesstaat auf unserer Reise, angesagt. Tina war aufgeregt und ich hatte eher keinen Bock. Ich kannte die Stadt und sie war mir einfach, na sagen wir, suspekt. Gegenüber unserem Motel war ein kleiner Diner, wo es All You Can Eat Pancakes gab. Geil – dachten wir. Sch**ße war’s. Wir erhielten einen Pancake, der tellergroß und fad war, mit übel schmeckendem Maple Sirup von einer dermaßen unfreundlichen Bedienung serviert. Auf Kaffee mussten wir ewig warten und wurden erst nach allen anderen Gästen bedient. Der Tag fing ja gut an...

Die Fahrt nach Las Vegas ging zunächst entlang der US Route 66 und führte uns durch Seligman. Der Ort war noch nostalgischer gestylt wie Williams – voll cool. So konnten wir unser Frühstück vergessen. Kurz vor 12 gelangten zum Hoover Dam (2. größter Dam der USA). Nix wichtiges, wenn man den Glen Dam gesehen hatte, hehe.

Dann kam Las Vegas. Ich finde die Stadt tagsüber sehr trist, weil ohne Lichter alles so grau aussieht. Tina bekam den Mund trotzdem nicht zu. Um ein Hotel herauszusuchen gingen wir zum Touristikbüro und nachdem Tinas Favorit – Treasure Island – aufgrund dem Übernachtungspreis von schlappe $ 165 pro Nacht nicht in Frage kam, entschieden wir uns für das Luxor – die ägyptische Pyramide. Bedient wurden wir von Renata, die von Sindelfingen ausgewandert war.Tina war gut drauf – ich nicht.

Als wir nicht gleich die Tiefgarage des Hotelsfanden, anschließend die Koffer durch das ganze Hotel zum Einchecken schleppen mussten, es mehrere lange Schlangen an der Rezeption gab, reichte es mir komplett. Auf meine unnachahmliche und charmante Art verdarb ich Tinas gute Laune, weil ich mich wie ein K*tzbrocken benahm. Sie verstand mich nicht – ich mich auch nicht so recht. Gestern noch ein König – heute ein Bettler... Wir bezogen unser schönes Zimmer (war mir zu dem Zeitpunkt Wurscht!) und Tina nahm eine Dusche. Meine einzige Freude war, dass ich über den TV ins Internet konnte – dachte ich. Als ich ein Email schreiben wollte, war die Auflösung so schlecht, dass ich kaum das lesen konnte, was ich geschrieben hatte. Als Krönung ging der Fernseher nicht mehr aus...

Nix wie raus. So gingen wir zum Hardrock Cafe. Hier mussten wir auf einen Sitzplatz warten, weil der Laden so voll war. Weil mir aber ein Penner vorher einen Gutschein gegeben hatte, durften wir uns vordrängeln. Es ging aufwärts. Vor dem Essen habe ich Tina noch mal völlig unzurecht angeschnauzt – keine Ahnung warum, weil ich manchmal einfach ganz schön blöd sein kann! Wir aßen Spare Ribs und tranken Labatt’s Blue, ein kanadisches Bier, welches ich kannte und schätzte. Meine Laune stieg stetig an. Nach dem Essen gingen wir über die Straße ins Hofbräuhaus, welches uns von Susl und Wolfgang empfohlen worden war und einem Ex-Kollegen vom Münchener MEK gehörte. Durch die Tür und wir waren in Bayern -  wie im richtigen Hofbräuhaus. Dort tranken wir Bier - ich ein Maß – und lernten Stephan und Jutta aus Fürstenfeld kennen. Wir fuhren gemeinsam mit dem Taxi und trennten uns dann. Wir gingen ins Harleys und anschließend ins Fine Nine Irishmen, wo wir die bisher teuersten Guinness unseres Lebens tranken. Absacker in der Hotel Bar. Da der TV immer noch lief, kam um 02.40 Uhr ein Mechaniker und führte eine Schnellreparatur durch. Ziemlich angesoffen doch noch freudig eingeschlafen. Tina hatte den Tag gerettet.

22. Tag: Dienstag, 08. Juni 2004

Lange gepennt und Hot Dogs gefrühstückt. Einen starken Kaffee bei Starbuck’s geholt und danach bei Gluthitze und mit einem Kater – eh, ich meine 2 - die schönsten Hotels zu Fuß besichtigt.

6 km gelaufen und dann auf den Stratosphere. Ein Nachbau von dem in Seattle stehendem Turm. 350 Meter hoch. Bewältigt wurden diese mit einem Aufzug, der 42 km/h fährt. Man hätte um die Kuppel in luftiger Höhe Achterbahn fahren können. Wir beide hatten schon Kopfweh von der Fahrt im Aufzug.

    

Mit dem Bus zurück und Abends Büffet im Luxor gegessen. Das beste Büffet, welches ich je gegessen hatte – ich glaube ich habe ca. 50 Shrimps gepult.

Nochmals ins Harleys gemütlich reingehockt und geredet. War ein sehr entspannender Abend in einer sehr unruhigen Stadt. Dank Tina werde ich Las Vegas in positiver Erinnerung behalten!

23. Tag: Mittwoch, 09. Juni 2004

Das Frühstücks Büffet mussten wir uns gönnen, bevor wir nach Death Valley losfuhren. Ich hatte Tina schon tags zuvor gesagt, wie heiß es dort sein würde. Bis 48 Grad im Schatten wären keine Seltenheit. Das Wetter war seltsam, regnerisch, düster – grau in grau. Getankt hatten wir in Indian Springs. Der Ort grenzte an das Nukleare Testgelände aus den 50ern. Dort gab es nur eine US Air Force Base und eben diese Tankstelle. Einsam und verlassen. Der Verkaufsraum war riesig und überall waren Alien Poster aufgehängt. Gespenstisch – nix wie weg.

Wir überquerten die Grenze zu Califonia (11. und letzter Bundesstaatunserer Flitterwochen). Als wir dann in Death Valley einfuhren regnete es und es war kalt. Ich glaubte es nicht – es war aber kalt. Alles komisch. Wir schauten uns den Devil’s Golfcourse an und fuhren entlang dem Artist’s Drive und erreichten den tiefsten Punkt der USA, Badwater (85,5 Meter unter dem Meeresspiegel).

Danach fuhren und fuhren wir weiter, immer weiter. Tina schlief und ich fast auch. Die Landschaft wurde besser und irgendwann nach 590 km waren wir in Barstow und wieder an der US Route 66 angekommen. Wir aßen Pizza im Strawhat, einem seltsamen Lokal, wo man vorher an der Kasse bezahlen musste. Bedient wurde vorwiegend von Kindern, die gleichzeitig Geburtstag feierten. Wir hatten es nicht begriffen – aber wir waren sehr müde und die Pizza war die bislang Beste des Urlaubs, also was soll’s.

Wir machten es uns gemütlich in unserem Motel6 bis Tina irgendwann nach mir schrie. Sie hatte versucht die quietschende Klospülung zu reparieren – was ihr auch fast gelang, bis auf die Unmengen an Wasser, welche aus dem Behälter sprudelten. Gemeinsam hatten wir es hingekriegt. Tina hatte Schmerzen vom vielen Laufen der vorangegangen Tage und auch ich war fertig. Es war auch irgendwie kein schöner Tag gewesen – die Stimmung in Death Valley hatte unsere Stimmung ganz schön gedrückt. Wir schliefen aber friedlich und aneinander gekuschelt ein.

 

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