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Midwest  Mountain West

24. Tag: Donnerstag, 10. Juni 2004

Glücklich aufgewacht, weil wir die US Route 66 heute zu Ende fahren würden. Los ging’s ohne Frühstück. Ich ließ mir gleich im nächsten Dorf, Lenwood, die Haare schneiden – ich hatte ja schon wieder eine Matte beisammen. Steve’s Barber Shop, direkt an der Route, echt cool. Steve war schon über 50 und arbeitete alleine. Er setzte mit dem Rasierapparat an und ab waren die Haare. Schlappe $ 12 hatte mich der Spaß gekostet. Tina war fast zufrieden – nur hinten hatte er meine Haare „rund“ abgeschnitten. Ihr Blick machte mich einwenig bolle – egal.

Mittags einen Double Six Dollar Burger bzw. einenWesternburger gespeist. Ab dann waren wir im Stau – genau 3 Stunden lang durch den Großraum L.A. und seinen kleinen Städtchen. Auf dem Sunset Boulevard verfahren und die letzten Kilometer etwas genervt gekrochen. Es war heiß, es hatte Stau und wir mussten Pippi.

Um 16.15 Uhr fiel die ganze Anspannung weg – wir waren am Ende angelangt und es gab genau dort noch ein Parkplatz – nämlich den Parkplatz, den sich jeder wünschen würde und genau den, den wir uns wohl verdient hatten. Ausgestiegen und uns in die Arme gefallen. Wir waren am Ocean Boulevard und waren die US Route 66 von Chicago mit ein paar gewollten und ungewollten Umwegen gefahren – geil!!! Zigarre angesteckt und anschließend in den geschickter Weise vorhandenen irischen Pub gegangen – aber erst nach dem Rauchen, weil man in California nicht in Kneipen oder auch sonst wo innerhalb rauchen darf – völlig gaga. Ein New Castle Brown Ale (ein Bier welches Tina schon mal in New Castle getrunken hatte und das Bier, welches zu ihrem Lieblings-Urlaubs-Bier wurde!) für den Navigator und ein Guinness für den Pilot – das schmeckte gut – hätten wir nicht noch quer durch L.A. zum Motel6 müssen, wären es bestimmt ein paar mehr geworden..

Die Fahrt nach Sylmar führte uns in einen einzigen Stau, der uns wieder sehr viele Nerven kostete. Er hörte einfach nicht auf und wir waren fertig. Stau auf einer Autobahn, welche bis zu 8 Spuren in eine Richtung hatte – unvorstellbar. Als wir dann in Sylmar angekommen waren, kam der nächste Sch**ß. Tina hätte dringender Weise waschen müssen und alle Maschinen waren belegt bzw. schon wieder vorbestellt. Am Rande des Wahnsinns haben wir uns einen Burger beim Mc gegönnt und sind dann zum gemütlichen Teil des Abends übergangen. Wie üblich wollten wir eine Rauchen und dazu ein wenig Bier vor dem Zimmer trinken – Fehlanzeige, weil auf dem Gelände des Motel6 war außerhalb den Zimmern Alkoholverbot – es lebe California... So sind wir auf dem Gang vor unserem Zimmer gestanden und haben nach einem genüsslichen Zug einfach das Bier, welches auf der Türschwelle stand eingeworfen – ed bleed sei. Na ja, langsam runter gekommen und selig eingeschlafen bis wir...

 

25. Tag: Freitag, 11. Juni 2004

um ca. 06.00 Uhr beide Sirenen hörten. Nicht viel dabei gedacht, außer, dass die Sirenen, als sie bei uns angekommen waren auch gleich wieder aufhörten.

 Weitergepennt und um 7 aufgestanden. Ich ging aus dem Zimmer raus und sah einen Streifenwagen auf der Abfahrtsrampe von der Interstate I 5 stehen – wahrscheinlich ein Unfall oder so was. Für mich nichts Ungewöhnliches. Ich ging in Richtung der Rezeption um uns einen Kaffee (mir gleich 2, hehe) zu holen. Über mir hörte ich einen Hubschrauber kreisen und gleichzeitig kam ein Mannschaftswagen von S.W.A.T. von der I 5 abgefahren. Als ich dann in den Himmel schaute, sah ich nicht nur einen, sondern 5 Hubschrauber, die einen Kreis in der Luft bildeten – ich glaubte nicht mehr so richtig an einen Unfall und als ich zur Rezeption kam, sah ich, dass die Straße abgesperrt war und etliche Streifenwägen herumstanden, um wohl den Tatort zu sichern (Tatort von was?). Einer sagte mir, dass wohl einer der Polizei abgehauen wäre und sie würden ihn jetzt suchen. Er hätte sich wohl in ein Gebäude verschanzt – Ei ja, ganz interessant, dachte ich mir und holte den Kaffee. Kurz vor unserem Zimmer sah ich endlich, dass ein Pkw im Zaun des Motels schräg drin hing. Nun waren auch die Kripo da, um Spuren zu sichern.

Cool - genau 50 Meter von unserem Zimmer entfernt war ein wahrscheinlich hoch-krimineller Gangster in den dortigen Zaun von der Abfahrtsrampe geschanzt und anschließend vor der Polizei geflüchtet. Wir frühstückten und richteten uns für die Fahrt nach San Francisco. Als wir gingen, waren die Hubschrauber weg, die Absperrung war aufgehoben worden und der Pkw war im Begriff abgeschleppt zu werden. Näheres blieb ein Rätsel.

Die Fahrt nach San Fransisco war sehr entspannend – es ging 660 km entlang einer der schönen Interstate I 5 – ohne jeglichen Stau. Orangen- und Nussplantagen soweit das Auge reichte. Kurz vor S.F. waren ca. 1.000.000 (oder so!) Windräder zu sehen – darf’s auch ein bisschen mehr sein, dachte ich mir? Wir fuhren nicht direkt nach S.F., sondern über Oakland und San Rafael, so dass wir über die Golden Gate Bridge in die Stadt einfuhren. Wir unternahmen eine kleine Stadtrundfahrt und fuhren über die Bay Bridge, welche nach Oakland führt und Fahrspuren für die verschiedenen Richtungen nicht nebeneinander, sondern übereinander hat. Die beide Brücken waren imposant und sehr eindrucksvoll – nicht vergleichbar mit der Rosenstein- oder Gaisburger Brücke, hehe... Auf jeden Fall voll cool – bis auf, dass wir uns in Oakland verfuhren. Hier merkten wir beide, dass die Fahrt uns doch angestrengt hatte. Der Urlaub ging in die letzten Tage und wir waren dabei unsere letzte Kraft zu verbrauchen. Fahren, Mitfahren – egal, weil die Ruhephasen zwischen einem Ort zum Nächsten einfach mittlerweile zu kurz für eine richtige Erholung gewesen waren. Auf dem richtigen Weg wieder angelangt, fuhren wir zum Motel6.

Es war zwar Freitag, aber wir begnügten uns mit einem Essen im Grand Avenue, einer Art Cafeteria. Es hatte zwar kein Ambiente, aber das Essen war vom Feinsten. Anschließend Bier gekauft und zwar genügend und einfach eine riesige Zimmerparty veranstaltet. Ich wurde mittels Unmengen meines Lieblings-Urlaubs-Bieres, Ice House in 0,7 Liter Dosen, betrunken, konnte aber abschalten und runterkommen und grinste dabei wie ein Maienkäfer.

 

26. Tag: Samstag, 12. Juni 2004

Super geschlafen und voller neuer Energie für die Stadtbesichtigung aufgewacht. Das Wetter war nicht ganz so windig wie am Vortag und auch nicht ganz so kalt – fast 20 Grad. Beim Fisherman’s Warf geparkt und in einem kleinen Cafe gefrühstückt. Tina bekam (laut eigenen Angaben) den weltbesten Muffin und ich eine Quarktasche (so ’ne Richtige). Weil es für Amerikaner recht früh war (kurz vor halb 10), waren wir so gut wie alleine. Anschließend den Kaffee in den gegenüberliegenden Park mitgenommen und sich einfach gefreut. Die Sonne schien, vor uns der Hafen mit Blick auf die Insel Alcatraz, links die Golden Gate Bridge, rechts die Bay Bridge und hinter uns San Fransisco, California. Uns wurde ein bisschen bewusst was wir eigentlich schon alles gesehen hatten und wo wir eigentlich waren – gemeinsam, als Mann und Frau.

Danach in sämtliche Läden beim mittlerweile Touristen überlaufenem Warf. Ein Email nach Hause und dann wurden Krabben gepult – frisch, so frisch wie sonst nirgends. Dazu ein Bud, allerdings in einer braunen Papiertüte, damit man nicht sah, dass man Bier trank. Nach dem überall aus diesen Tüten schlanke braune Hälse herausschauten, konnte ja keiner auf die Idee kommen, man würde Alkohol trinken. Anschließend ging es nach Italy, einem Stadtviertel mit der italienischen Fahne an jedem Masten gepinselt. Über eine Kreuzung und schon war man in Chinatown. Also, ich war noch nie in Hong Kong, aber so stelle ich mir es vor. Chinesen über Chinesen, hektisch und laut und chaotisch und überhaupt – gesehen und nix wie weg.

Zurück im Warf unternahmen wir eine Bootsfahrt, welche uns unter die Golden Gate Bridge und um die Insel Alcatraz führte – es war wunderschön, aber ich mal wieder nur mit einem T-Shirt bekleidet und habe gefroren – trotz Decke. Es war wieder windig geworden und zwar ein richtig kalter Wind.

Wir wollten essen, aber wo – nach einer kurzen Phase von Überfordertheit fanden wir Joe’s Crabshack und speisten vorzüglichen Hummer, Lachs und Krabben – es war sagenhaft, genial und einfach ein Muss. Den Tag in S.F. beendeten wir dort wo wir ihn begonnen hatten. Allerdings hielten wir es im Park nicht lange aus – weil es kalt war – wir waren schließlich andere Temperaturen gewohnt. Und obwohl es Samstag war, zu Hause gemütlich gemacht und gut geschlafen.

 

27. Tag: Sonntag, 13. Juni 2004

Morgens freudig aufgestanden, weil es entlang der Küste zum pazifischen Ozean auf dem wohl schönsten Highway der Welt ging – nämlich auf dem Highway No. 1. Es war früh und wir waren alleine unterwegs. In S.F. war es noch nebelig, aber kaum draußen, strahlte die Sonne. Um halb 9, also eigentliche eine geile Zeit zum Frühstücken, kam ein Ort, in dem es ein Starbuck’s Cafe neben einem Subway gab. Beide hatten schon offen – man war das ein Luxus – zuerst einen wie immer sackheißen halben Liter großen Kaffee geholt und mit diesem beim Subway gegessen (...dürfen wir den mit rein nehmen? Ja Schneggel, dürfen wir...).

Wir fuhren entlang der wunderschönen Küste und sahen Fels an Fels, an denen die Wellen abprallten und zurück ins Meer getrieben wurden. Der Ozean rauschte und Tina war so was von aufgeregt – gell, ich will aber ein Paar Fotos machen. Ich sagte ihr, dass sich die Landschaft für die nächste hunderte von Kilometer nicht so sehr verändern würde und fuhr einfach weiter. Als ich endlich anhielt konnte sich das aufgeregte Hemd endlich entspannen und Fotos schießen. Dieses Prozedere führte ich mehrmals durch und rettete den Tag und auch meine Haut, hehe. Tanken musste ich plötzlich (ei ja) und da nix kam und auch kein Ort gleich kommen würde, tankte ich in Big Sur für über $ 2,50 Sprit. Für uns in Deutschland wäre es immer noch billig, aber für die USA war es über einen Dollar über dem Normalpreis - Kacke!

Bei San Simeon hielten wir an, um die etlichen frei lebenden und schwimmenden Seeelefanten anzuschauen und zu fotografieren – Tina war mehr als begeistert, weil eben frei und nicht in irgendeinem Zoo gesehen.  Glotzen macht hungrig, so dass wir gleich danach in Cambria geile Hot Dogs zur Mittagszeit einwarfen. Und nun kam die Frage auf, wie weit in Richtung L.A. wir fahren würden. In Pismo Beach war es kalt und windig und wir wollten ja an den Strand für zwei oder vielleicht sogar drei Tage – also weiter.

Entweder nach Santa Barbara oder doch Carpinteria (was und wo war denn das?) Und dann plötzlich nach schon wieder über 600 km standen wir im Stau – am hellen Sonntagnachmittag. Es war so geil und jetzt – unsere Energie war wieder aufgebraucht – wir hatten zwar unseren Akku voll aufgeladen gehabt, aber dieser entleerte sich Tag für Tag zusehends schneller. Die letzten 16 km kosteten uns über eine Stunde der Erholung. Das Wetter war jedoch merklich wärmer geworden – wenigstens etwas. Wir waren jedoch trotzdem hippelig, weil wir nicht wussten, wo wir nun pennen würden. Santa Barbara war nix, also die letzten Kilometer nach Carpinteria gefahren und dann...

Und dann doch einzigartig belohnt – ein kleines Kuhkaff und doch genau, dass was wir wollten und brauchten. Eine schöne Straße mit Restaurants und einer Bar. Ein sauberes Motel6 – alles perfekt. Auf geht’s zur Bar, dachten wir zunächst. Wir wollten ja mal wieder unter Menschen. Stattdessen holten wir uns eine Pizza bei Dominos und blieben zu Hause. Tina konnte endlich waschen. Müde und erschöpft waren wir beide zu dem auch – von den vielen Eindrücken und der insgesamt 12 Stunden langen Fahrt. Es folgte ein weiterer Abend voller gemütlicher Zweisamkeit auf dem Zimmer.

 

28. Tag: Montag, 14. Juni 2004

Endlich ausgeschlafen. Zwar nur bis 9, aber wir waren es trotzdem! Weil wie wussten, dass wir nicht heute und auch nicht morgen weiter mussten. Wir konnten tun wozu wir Lust hatten – nicht, dass der Urlaub bislang ein Zwang war, aber wir hatten schon so viel in so kurzer Zeit gesehen, dass wir solche Tage nun brauchten – runter kommen. 1 Stunde gejoggt an den Strand und durch den Ort. Anschließend die verbrauchten Kalorien beim IHOP wieder doppelt verspeist. Schön war’s. Der Himmel war bedeckt – keine Wolken, aber die Sonne kam nicht raus. Also flackten wir uns an den mit Palmen umgebenen Motel Pool. Nach dem eine Assi Mutter mit ihren zwei lauten Gofen und ihrem stinkigen Köter, der auch noch verbotener Weise in den Pool gesprungen war, den Platz räumte, waren wir alleine. Und die Sonne beglückte uns auch noch. Wir schwammen ein Wenig und sonnten uns ein Wenig und erholten uns. Das Gefühl Zeit zu haben – nichts vor zu haben, mussten wir erst mal wieder lernen und verkraften.

Nach dem wir uns hübsch gemacht hatten, gingen wir in ein thailändisches Restaurant, das Siam Elefant, zum Abendessen. Es war Tinas und auch mein bestes asiatisches Essen überhaupt – unbeschreiblich mega-monster-wahnsinnig genial. Wir beschlossen am nächsten Tag hier unser 1-monatiges mit einem weiteren genialen Essen zu feiern.

Anschließend gingen wir, nach dem wir uns ein Bier und eine Zigarre geholt hatten, an den Strand, um den Sonnenuntergang zu sehen. Wir spazierten und sahen Millionen von Pelikane und sogar ein Seehund (frei lebend, hehe) kam an den Strand. Die Sonne verschwand zwar irgendwie zwischen Hügel und Wolken, es war aber egal.

Wir gingen zum Moon Doggies, einer Local Bar. Ein folgenschwerer Entschluss. Wir saßen uns hin und hatten zunächst das Gefühl hierher nicht dazuzugehören. Bis ein älterer Mann auf mich zu kam und mich fragte, ob ich bei der Marine wäre (ich war ja vor ein paar Tagen beim Steve gewesen!). Ich sagte nein und ich bzw. wir wären deutsche Polizisten. Schon stand die erste Runde da. Er erzählte, dass er früher bei der Marine gewesen war und sonst noch dies und das. Das Eis begann zu brechen. Als ein Platz frei wurde, nahmen wir an der Bar Platz. Ich trank Bier und Tina wollte einen Margherita. Den bekam sie auch und zwar ein Höllenteil, das aus Alkohol (Punkt) bestand. Wir kamen mit der Barkeeperin, Trish, ins Gespräch. Eine sehr freundliche und lustige Frau, die fast in jedem Satz lachte. Wir redeten und tranken und hatten Spaß. Als wir von unserer Hochzeit erzählten waren alle begeistert und gratulierten uns nachträglich – das Eis war dahin! Die Bar hatte unendlich viele Biere über dem Tresen ausgestellt, so dass ich auf Entdeckungsreise ging, während Tina in Mexiko blieb. Zum Rauchen mussten wir raus (es war ja California), aber da war ja wie eine Art Raucherecke eingerichtet, so dass wir nie alleine waren.  Eine dicke Angesoffene wollte dann an meiner Zigarre ziehen – na ja, ich konnte nicht unhöflich sein und außerdem war es mir mittlerweile egal.  Zurück im Lokal wollte ich ein Bier, „Flying Dog“, probieren, welches sie nicht mehr hatten, also hat Trish mir die ausgestellte Flasche heimlich kalt gestellt, so dass ich es nachher trinken konnte. Das Etikett bekam auch noch dazu. Nach dem ich ein Bier bestellt hatte, welches es nur in einer 0,75 Liter Flasche gab, beschloss ich, dass das wohl das Letzte des Abends gewesen sein sollte. Der Heimweg war lustig und wir mussten uns immer wieder beherrschen, denn es fuhren ständig Streifenwägen (4 Stück halt) an uns vorbei. Einen Aufenthalt in der dortigen Ausnüchterungszelle wäre nicht in meinem Sinne gewesen – es hätte wohl auch das Ausklingen des Abends etwas erschwert, hehe...

 

29. Tag: Dienstag, 15. Juni 2004

Mal wieder ein „Tag danach“.  Die Birnen brummten, aber es war voll OK. Sich gehen zu lassen, muss halt sein und dementsprechend auch bezahlt werden. Frühstück habe ich, wie versprochen, meiner Frau geholt: einen Becher Starbuck’s Kaffee und vom Laden neben an 8 verschiedene (ich konnte mich nicht entscheiden) Riesendonuts. Zu Hause gespeist und an den süßen Teilen total überfressen. Egal, trotzdem wurde wieder 1 knappe Stunde gejoggt. Noch mal erholt, gesonnt (obwohl die Sonne sich mal wieder nicht rausgetraut hat) und gewaschen.

Abends dann auf Empfehlung doch nicht zum Thai, sondern zu Palms. Einem Steakhouse, wo man sein Steak roh bekommt und selbst auf einem der vielen Grill im Lokal braten konnte. Beilagen so viel wie man essen konnte, Baked Potatoes, Kidney Beans, Biscuits und und und... Das Problem war jedoch, dass wir unsere Steaks auf den Grill legten und schon gleich mal Beilagen holten, weil wir dachten es geht schnell, aber Sch**ße. Die Steaks waren noch roh und kalt, so dass wir die Beilagen aßen. Danach war das Steak fertig und die Beilagen waren weg und jeder musste wieder aufstehen und überhaupt. Ein Chaos und das an unserem 1. Hochzeitstag (1 Monat halt, hehe...). Essen abgehakt und wieder zur Bar.

Der Durst war nicht so richtig vorhanden und außerdem war das Teil brechend voll, weil das Endspiel der NBA Playoffs live übertragen wurde.  Ein Geschrei und drunter und drüber. Zum Schluss waren alle traurig und genervt, weil die L.A. Lakers verloren hatte. Na ja, danach wurde die Bar wieder leerer. Trish hat auch nicht gearbeitet und die andere Barkeeperin war halt eine Barkeeperin. Gegen später kam dann Trish doch noch mit ihrem Verlobte, Woody, vorbei. Wir stellten uns in die Raucherecke plauschten und tauschten Adressen aus. Alle machten Witze. „Und habt ihr schon im Radio heute gehört, dass Udo und Christina ihre Flitterwochen in Capinteria verbringen“. Einer behauptete noch es in der Zeitung gelesen zu haben. War cool. Auf jeden Fall gingen wir gegen 10 nach Hause, weil wir einfach fertig und schon wieder aufgrund der freundlichen und guten Stimmung besäuselt waren. Wir freuten uns jedoch, dass wir am nächsten Tag wieder losdüsen dürften. Wir wussten jedoch, dass wir durch L.A. mussten und ich befürchtete einen Mega-Stau...  

 

30. Tag: Mittwoch, 16. Juni 2004

Tina mit einem dicken Kopf aufgewacht – bei mir ging’s. Im Starbuck’s einen Kaffee getrunken – von dem Kaffee umsonst im Motel6 hatten wir echt genug; einfach zu dünne – und dort einen Müsliriegel am Auto gegessen (der Urlaub zeichnete sich langsam ab). Auf der Fahrt kurz vor L.A. sah Tina vom Auto aus Delphine im Meer schwimmen, aber bis ich anhalten konnte, war der Käs scho gessa – schade. Die weitere Fahrt nach San Diego über L.A. verlief ohne Probleme und ohne Stau. Unterwegs waren wir mal wieder im Carl’s JR. – wir hatten ja schließlich beim Frühstück gespart.

Ja und dann kam es mal wieder ganz anders als gedacht... Wir wollten in San Diego übernachten und am nächsten Tag SeaWorld anschauen. Unmittelbar auf der Interstate, welche in die Stadtmitte von San Diego führte, war auf der Gegenspur ein ca. 10 km langer Stau. Es war mittags und wir dachten uns (ohne es auszusprechen) Kacke, da stehen wir wohl morgen voll drin. Ja, und dann irgendwie haben wir unser Motel6 verpasst und standen ungelogen vor dem Eingang zu SeaWorld.

Was tun – wir redeten dann doch über den Stau (s. o.) und stellten fest, dass wir eigentlich noch ganz fit waren. Ich stieg aus und fragte wie lange SeaWorld heute offen hätte. Wir hatten noch fast 5 Stunden Zeit. Wir redeten und stellten dazu noch fest, dass wir am nächsten Tag eigentlich auch nicht viel mehr Zeit hätten, weil wir ja nach L.A. an den Strand wollten, um den Urlaub ausklingen zu lassen. Plötzlich und unerwartet schauten wir Killerwale und Delphine beim springen zu, mistige Seeotter in einer Show, akrobatische Franzosen und Tiere und Wale und halt alles. Die Haie waren zu klein, da waren wir uns einig. Tina, die sich so auf SeaWorld gefreut hatte, war irgendwie noch nicht angekommen und dann auch ein Wenig enttäuscht – die Wale und alles andere so eingekastelt zu sehen, war nicht ihr Ding (wie sie da wohl zum 1. Mal so richtig feststellte). Sie schwärmte von den Seeelefanten in Freiheit. Ich war baff, konnte sie aber gut verstehen. Wir verließen SeaWorld mit einem Gefühl „es“ gesehen, aber nicht unbedingt genossen zu haben.

Wir fuhren in Richtung L.A. los und landeten in Carlsbad, einem netten Örtchen (hat man gesehen obwohl’s mittlerweile dunkel war). Unser geliebtes Motel6 bezogen und ab zum KFC, um die guten Vorsätze des Morgens vollends zunichte zu machen. Ich habe mit Harry, meinem Ex-Kollegen vom Polizeirevier Innenstadt, der ja in L.A. wohnte, telefoniert, um ihm zu sagen, dass wir am Donnerstag ankommen würden. Er teilte mir mit, dass er aber arbeiten müsste. Er würde nicht freibekommen, weil er erst dort mit der Police Academy in La Habra fertig geworden wäre und, dass er zu dem gerade umziehen würde – Welcome... Er würde mich anrufen. Tina nahm ein Bad und ich war glücklich (nicht nur wegen ihres traumhaften Anblicks, hehe), sondern weil wir nun noch ein paar Tage zur Erholung hatten. Tina war sich über L.A. noch nicht so richtig sicher – zu groß, zu durcheinander und und und. Ich sagte ihr, dass wir das schon zu unserer Zufriedenheit hinbekommen würden...      

 

31. Tag: Donnerstag, 17. Juni 2004

Frühstück gab’s im Zimmer und dann ging’s Richtung L.A. Es lief alles blendend bis Long Beach. Dort haben wir uns verfahren. Wir fuhren durch das Hafengebiet über eine riesige Brücke und ich freute mich trotzdem sehr. Nach dem wir das Aquarium of the Pacific, welches wir besichtigen wollten, doch nicht gleich fanden, waren wir leicht genervt. Beim Jack in the Box ein Riesen-Steaksandwich eingeworfen – und alles war wieder gut! Weiter gesucht und das Teil doch gefunden. Also nix wie rein. Ein Aquarium wie wir es beide noch nie gesehen hatten (das Weltgrößte anscheinend!?). Aquarien teilweise bestimmt fast 10 Meter hoch – Wahnsinn. Und Fische voll abartig. Ja gut, was soll’s denn sonst in einem Aquarium geben, außer... ca. 1 Million Schulklassen von sämtlichen Grundschulen aus ganz L.A. County. Es war höllisch laut und die Gofs drängelten sich immer vor einen - dies hat mich sehr gestört – Tina nahm’s etwas gelassener.

So und nun ging’s zu den Stränden von L.A. County: Redondo, Hermosa, undManhattan Beach. Gefahren, geschaut und mit nix zufrieden gewesen. In Hermosa Beach schauten wir uns das Hi View Motel von außen an und waren nicht begeistert – irgendwie ein wenig heruntergekommen. Zur Abwechselung entlang Venice Beach promeniert und all die Wahnsinnigen beobachtet. Aufgeblasene Anabolika Hamster, die mehr Ahnung von Spritzen, wie vom Trainieren hatten, Kiffer, Aussteiger, Penner, Sportliche auf Inliner, Gittaristen auf Rollschuhen, Propheten, Künstler und solche die sich als Solche ausgaben.

Danach ging die Suche nach einer Bleibe weiter und zwar diesmal sind wir einfach nach Santa Monica Beach gefahren. Dass es dort teuer war, war uns bekannt. Im Reiseführer war jedoch ein etwas günstigeres Hotel veranschlagt. Ich fragte nach, was ein Zimmer kosten würde. Er teilte mir mit, dass ein Zimmer $ 180 kosten würde. Ich schluckte und verschluckte mich gleichzeitig. Er sah es in meinen Augen und fragte nach wie hoch meine Grenze wäre. Ich sagte so $ 100. Er war in seinem Beruf offensichtlich geschult worden, so dass er nicht gleich in lautes Gelächter ausbrach – aber sein Grinsen und sein Blick, der mir zeigte was er über mich dachte: „Mein Gott bist du armselig – kauf dir doch ein Zelt!“, konnte er sich nicht verkneifen, als er mir mitteilte, dass wir hier in der Gegend für den Preis nichts bekommen würden. Leicht deprimiert ging ich zur Tina, die im Auto wartete, zurück. Shit, was nun. Es war schon halb 5 – und wir hatten mal wieder genug. War ja auch logisch denke ich, bei dem Erlebten schon wieder.

Also zurück nach Hermosa und genauer hinschauen. Ein schönes Motel hatten wir dann doch in unserer Preisklasse gefunden – aber es war ausgebucht, wegen einem landesweiten Sportturnier, welches in der Stadt stattfand.

Erledigt - dann doch die Zimmer im Hi View Motel angeschaut und Überraschung: die Fassade war nix, aber die Zimmer sehr geräumig und sauber und das obwohl der Pächter ein britischer Inder war (es roch auch in keinster Weise nach Chicken-Curry – Gottseihdank!). Wir hatten ein Couponheft dabei und hätten eigentlich das Zimmer billiger erhalten sollen, aber Geschäftsmann, wie er nun war, galt der Coupon nicht für dieses Zimmer und so bezahlten wir den normalen Preis – es war mir um die Uhrzeit eh egal! Da wir bis zum Abflug dort bleiben wollten, fragte ich, ob wir am Dienstag die Checkout Zeit in den späten Nachmittag verlegen könnten, da unser Flug erst um 21.00 Uhr losging. Der Geschäftsmann antwortete mit ja könnten wir, wir müssten halt den Dienstag auch noch bezahlen – halber Preis? – Nein komplett (Punkt.). Ich hatte keine andere Wahl und dachte mir A*schlecken und nahm das Zimmer.

 

Dieses bezogen wir und ließen uns eine Pizza von Dominos nach Hause liefern. Harry habe ich wieder angerufen – er sagte, dass er wohl kein Deutsches Handy in den USA anrufen könnte – wer weiß. Ausgemacht wurde, dass wir sein Polizeirevier anschauen würden und zwar nicht am Freitag, sondern nun doch am Samstag. Auch gut. Auf jeden Fall ging dann mal wieder ein sehr anstrengender Tag zu Ende.

 

32. Tag: Freitag, 18. Juni 2004

Ausgeschlafen und auf Empfehlung zur größten Outlet Shopping Mall von L.A. gefahren, Ontario Mills. Eigentlich nix gefunden und auch nicht mehr von der Größe beeindruckt – wir kannten das schon und stellten fest, dass es bei uns auch schon die Dinger gibt.

Mittags nach Hollywood gefahren und dort geschlendert. Verrückte Menschen an jeder Ecke und ziemlich heruntergekommen – nicht so wie man es sich vorstellt. Einfache Ramschläden entlang dem Walk of Fame, wo jeder Berühmte seinen Stern auf dem Gehweg hat.

 

Durch Beverly Hills und entlang dem Sunset Boulevard gefahren – die Begeisterung hielt sich in Grenzen – unsere Aufnahmefähigkeit war überlastet – der Speicher war voll, da wir nie Zeit hatten das Gesehene zu verarbeiten.

Und dann der endlose Stau auf sämtlichen Highways. Es war nicht zubegreifen – Auto an Auto. Alle 16 Spuren auf jedem der unzähligen (wirklich unzähligen) Highways dicht – komplett. Die 16 Millionen Menschen, die im Großraum L.A. lebten, waren wohl ständig unterwegs. Gegen 9 waren wir - nachdem wir uns im Subway verköstigt hatten - im Motel angekommen.

Tina hatte sehr starkes Heimweh  - sie zu beruhigen war fast nicht möglich. Sie wollte wieder nach Hause und sich mit jedem einfach unterhalten können, ohne meine Dolmetscherhilfe. Das verstand ich sehr wohl. Ich selber hatte ein sehr stolzes, zufriedenes Gefühl in mir – woaaa was hatten wir alles gemeinsam gesehen und gemeinsam gemeistert. Heimweh hatte ich nicht, weil ich ja wusste, dass wir gleich bei all unseren Lieben sein würden. Auf dem Zimmer mit Christina von Ork gekniffelt und tot ins Bett gefallen.   

 

33. Tag: Samstag, 19. Juni 2004

Frühstück auf dem Weg zum La Habra Police Department im Starbuck’s. Danach noch mal geschwind ins Motel, weil Tina was erledigen musste (in einem fremden Land funktioniert nicht alles gleich wie zu Hause), hehe... Auf dem Revier Fred wieder gesehen, den wir von seinem Besuch in Deutschland vor einem Jahr, als Harry da war, kannten. Apropos wo war den Harry. Er wollte auch kommen, so dass wir vor seiner Schicht, die um 14.00 Uhr begann, noch reden konnten. Fred sagte, dass er wegen seinem Hauskauf keine Zeit hatte – ei ja. Fred war Captain und somit Schichtführer. Wir gingen zunächst ins Chili’s zum Mittagessen – er in Uniform und während seiner Dienstzeit – das nenne ich Bürgernähe, cool. Ich hatte endlich mega-geile Chicken Wings bekommen.

Anschließend das Revier angeschaut. Ziemlich modern mit Laser Fingerabdruck System, Elektroschocker, Beanbag Gun (Aua!) und sonstigem Firlefanz, von dem wir nur träumen können. 30 Zellen, obwohl sie auch nur eine Schichtstärke von 6 Mann hatten.

Dann fuhren wir entgegen den Vorschriften zu Zweit mit Dean, einem netten aber doch sehr aufgeblasenen Anabolika Hamster, der ein Diensthemd, welches mindestens zwei Nummern zu klein, trug, auf Streife. Samstagmittag war in La Habra nix los. Einen Scheckbetrug und eine hilflose (wohl mehr einsame) Oma. Die Geschichte lief wie bei uns ab – war echt lustig.

Gut, dann wieder aufs Revier und siehe da, Harry war da. Kurzer Plausch, Entschuldigungen seinerseits, dass er keine Zeit hätte, Fotos gemacht und gegangen – fast. Fred, der wirklich sehr nett und voller Gastfreundlichkeit war, lud uns zu einem Baseballspiel am Montag ein. Wir sollten gleich bei ihm übernachten und nahmen die Einladung an (haha, dachte ich mir – kriegt der geldgierige Inder doch keine Kohle für die letzte Nacht und die Paar Stunden in denen wir uns noch am Dienstag in seinem Motel aufhalten wollten!). 

So, heute sollte es endlich mal wieder auf Tour gehen. Wir machten uns hübsch und wanderten los. In Manhattan Beach speisten wir einen sehr leckeren Fisch im Kettle und schauten am Pier danach einen wunderschönen Sonnenuntergang an. Ich konnte die Aussicht jedoch nur verkrampft genießen, denn wie gesagt in einem fremden Land funktioniert nicht alles wie zu Hause – trotzdem wunderschön.

Auf in die Bar, die fatzen leer war – es war ja noch früh und wir wunderten uns nicht. Plötzlich machte die Bedienung den Ventilator an und wir froren. Ich fragte, ob sie diesen wieder abschalten könnte – nein, weil bald würde diese Bar, die eigentlich eine Disco war, überfüllt sein. Also, bezahlt und weg. In Manhattan nix mehr gefunden und (dadurch) einen sehr schönen gemeinsamen Spaziergang nach Hermosa unternommen.

Dort, dann mitten im Leben gestanden. Szenen wie vor dem ZAP auf dem Josef-Hirn-Platz oder in Mallorca (sagte mir Tina, denn da war ich ja noch nie!). Voll gestylte Männer. Frauen mit eigentlich nix an, außer hochhakige Schuhe, voller Geschmotze im Gesicht – deutlich nicht meine Welt. Tina fand’s cool, wollte sich aber Gottseihdank nicht in irgendeiner der vielen Schlangen, um in eine Disco zu gelangen, anstellen.

Wir schauten ein wenig zu und fanden dann doch einen mega-geilen Bluesschuppen, The Boogaloo Cafe, wo auch schon uns Bekannte wie Eric Sardinas gespielt hatten. Tina musste mal wieder ihren Ausweis zeigen – der Türsteher sagte, sie hätte ein Babyface, was ihr nicht besonders gefiel. Ich sagte ihr, dass es ein Kompliment wäre und sie sich darüber freuen soll, denn alt werden sie von alleine, gelle... Drinnen spielte eine echt coole Band und es gab Jack und sogar einen Laphroaig  für mich, auch wenn mich der Barkeeper nicht gleich verstanden hatte, was ich eigentlich wollte. Nur es war unvorstellbar - erwachsene Männer und Frauen, mussten das Lokal zum rauchen verlassen. Also, ich konnte mir bis zu dem Tag keinen Bluesschuppen, in denen man vor lauter Rauchschwaden sich selber nicht mehr sieht, nicht vorstellen. Wie sollten die Künstler denn sonst eine rauchige Stimme (die man doch als echter Blueser braucht) bekommen.

Voll getankt machten wir uns auf den Heimweg – zu Fuß – die Luft würde uns gut tun. Es war ja nicht weit. Bis auf die Tatsache, dass ich mich total verlaufen würde. Plötzlich wusste ich nicht mehr wo wir waren. Mitten im Wohngebiet kam uns dann ein Stinktier entgegen, welches Tina gestreichelt hätte, wäre ich nicht gewesen. Das war ein Gespräch, sie davon zu überzeugen (irgendwie lag es wohl an der Uhrzeit, dass sie mich nicht begreifen wollte, oder...) es zu lassen. Ein danach erforderlich gewesenes Bad in Tomatensaft fand sie lustig, hahaha. Na ja, wir gingen weiter und immer weiter und wir beide hatten von der frischen Luft eigentlich schon lange genug. Nach dem ich jemand nach dem Weg fragte (der hat uns vielleicht angeglotzt), erreichten wir unser Motel nach 1 ½ Stunden Gewaltmarsch morgens um halb 2.

Das war Heavy Metal pur!

 

34. Tag: Sonntag, 20. Juni 2004

Rausch ausgeschlafen. Ich habe bei unserem Stamm Cafe Frühstück geholt. Anschließend sind wir am Strand – nach dem wir endlich einen Parkplatz fanden, mit dem ICH zufrieden war – gejoggt. Falls sich jemand wundert warum wir nie an den Strand zum Sonnen gelegen sind – das Wetter war einfach nicht gut genug  (June-Gloom) und auf den Sand, der in jede Ritze des menschlichen Körpers auf unvorstellbare Art und Weise immer wieder gelangt, hatten wir eigentlich beide doch keinen Bock  - und das obwohl wir uns am Freitag extra Strandtücher gekauft hatten! So viel zu dem Thema – wir hatten ja schließlich andere Interessen. Land und Leute kennen lernen – Prost.  Nach dem Joggen spazierten wir aber tatsächlich noch im Sand bei Sonnenschein. Als wir gingen verkroch sich die Sonne wieder hinter dem Gloom – gut geplant, wie immer.

Abends Mitbringsel eingekauft und nach einer Wartezeit – ziehen sie eine Nummer – endlich im Chili’s einen Platz gekriegt. Ich habe für Zwei Chicken Wings gegessen. Tina hatte geile Ribs und wir waren total überfressen – mal wieder. Das Bier, welches wir dort bekamen, war so kalt, dass der Schaum gefroren war – also, alles was Recht ist, gelle...

Nach Hause gefahren und dann, weil wir ja erholt waren, einen Spaziergang zur Verdauung brauchten und auch noch Land und Leute kennen lernen wollten, zum Hermosa Western Saloon marschiert. Dort angekommen, stellten wir wieder mal fest, eine Bar mit ausschließlich Locals gefunden zu haben. Außerdem – halt mal, wo bin ich – rauchten alle und das in California – geil, weil ich doch eine Verdauungszigarre so dringend brauchte. Wir wurden gleich von einem total Betrunkenen angequatscht (Sch**ß Happy Hour). Der war so dermaßen vom Bush begeistert – das gibt’s doch nicht – wohl ein wahrer Patriot. Der Typ bereitete Tina ein Unwohlsein – er war ihr irgendwie nicht geheuer, da er schrie und sie ihn nicht verstand. Und obwohl ich nicht unbedingt seine politischen Ansichten teilte, hörte ich ihn mir an und sagte einfach ja. Manchmal kann sogar ich schweigen: er war voll, er war in seiner Stammkneipe und hatte drei Freunde bei sich. Diese Weitsicht machte ihn glücklich, so dass er uns letztendlich mit einer Freirunde auch glücklich machte.Irgendwie war es dann doch lustig geworden. Miteinander reden und die Menschen, die wohl nicht viel mehr, als ihre Stammkneipe hatten, zuzusehen. Ein alter S*ck, wurde ständig zunächst von einer, dann von zwei nicht sonderlich hübschen, da dafür um so fertigeren Weiber begrabscht. Alle doddel voll – und hoppla, wir plötzlich auch, so dass wir sinniger Weise ein Taxi nahmen.

Im Motel noch mit Lemmy telefoniert, der bereits Geburtstag hatte – keine Ahnung mehr wie wir ihn gratuliert haben, aber Hauptsache wir haben. Lights out, Baby.

 

35. Tag: Montag, 21. Juni 2004

Völlig gerädert aufgewacht – kein Wunder, nach dem Wochenende!!! Noch mal am vorletzten Tag zum IHOP um ein Mega-Abschluss-Frühstück einzunehmen. Mir wurde es nicht wohler – oh, Elend. Auf zum Irvine Spectrum, wo wir gegen 4 Fred treffen würden. Es handelte sich um eine Shopping Mall mit Kneipen. Sehr schön gemacht. Dort haben wir die letzten Mitbringsel eingekauft und sind dann schon mal in die Kneipe gegangen. Wir spielten Billard bis Fred kam. Dann sind wir in eine andere Kneipe gegangen und haben was getrunken und Fish & Chips gegessen – es war eine riesige Portion und ich war kurz vor dem Platzen.

Endlich ging’s zum Baseball Stadion nach Anaheim. Wir fuhren mit Fred mit und ließen unser Auto im Spectrum stehen. Wieder ein Stau und doch noch rechtzeitig angekommen. Ein Paar seiner Kumpels auf dem Parkplatz um stil gemäß Bier aus der Kühlbox vom Pick Up Truck runter zu genießen, getroffen. Es war echt cool – The American Way of Life. Wir gingen nach ein Paar Miller Genuine Draft ins Stadion und Tina wurde von Fred, der derzeit versucht Deutsch zu lernen, zunächst in die Regeln eingewiesen. Alle waren brutal freundlich und es war ein geiler Abend. Das Spiel war anfangs fad, da keiner Punkte machte, aber als die Anaheim Angels loslegten, war mächtig Stimmung im Stadion. Endstand: Anaheim: 10 – Oakland „A“s: 2. Wenn die Heimmannschaft gewinnt, sind alle glücklich (zumindest die auf die es ankommt)! 

Wir fuhren dann zum Spectrum, um unser Auto zu holen und ich folgte Fred, der es anscheinend eilig nach Hause hatte. Angekommen schenkte er uns voller Freude ein Programmheft vom Spiel und ein Baseball. Man, war der freundlich – so viel zur viel behaupteten Oberflächlichkeit der Amerikaner. Wir lernten seine drei Hunde kennen – einer kleiner wie der andere, Paris, Buster und Munchkin, der eindeutig gaga war. Da Fred sehr früh arbeiten musste, verabschiedeten wir uns ziemlich schnell. Er sagte, dass wir einfach dann die Türe zu ziehen sollten, wenn wir gehen. Seine Familie war im Urlaub, so dass wir im Zimmer von seiner Tochter schliefen. Die schrecklichste Matratze auf der wir je schlafen mussten – aber egal. Irgendwie schliefen wir dann doch ein – unsere letzte Nacht in den USA. 

 

36. Tag: Dienstag, 22. Juni 2004

Gerädert (aber diesmal aufgrund der Matratze!) aufgewacht vom ständigen Klingeln des Telefons. Ich habe es nie rechtzeitig geschafft ranzugehen. Es war Fred von der Dienststelle. Ich habe zurückgerufen, aber da war er nicht da – schade. Uns per Zettel und Wein bedankt und Richtung Flughafen gefahren. In Hermosa zunächst in einem Waschsalon die ganze dreckige Wäsche in die Waschmaschine gesteckt. Einen Kaffee von, na ihr wisst es ja eh schon, geholt und einen riesigen (ja – in Amerika ist halt alles riesig) Chocolate Fudgecake vor dem Wachsalon verspeist. Die Wäsche in Trockner und anschließend zusammengelegt. Nein wir sind nicht verrückt, denn an diesem letzten Tag gab es nichts mehr zu sehen (genug davon) und auch nichts mehr zu tun. Wir wollten völlig gelöst nach über 5 Wochen nach Hause kommen und einfach die Berge von Wäsche in den Schrank legen und nicht unsere letzten Urlaubstage zu Hause mit so einem Sch**ß verbringen – war eine echt coole Idee.

  

Wir sind dann noch mal zum Pier von Hermosa Beach und haben uns einletztes Mal den Pazifischen Ozean angeschaut. Es war noch früh, aber ich wusste nicht so genau wie viele Staus uns bis zum Flughafen begleiten würden, so dass wir mal hinfuhren – natürlich ohne Stau. Was nun – ei ja, da war doch noch was. Zum Carl’s JR. – um den schlechthin besten Bürger dieser Welt zu vertilgen. An jeder Ecke hatte es einen gehabt – nur hier nicht. Kurz vor der Kapitulation doch noch einen gefunden – juhu!!!

Um 5 hatten wir dann bereits das Miet-Auto abgegeben. Tina war erstaunt, dass die Geschichte so reibungslos über die Bühne gegangen war. War schon cool: wir hatten die Kiste mit 523 Meilen abgeholt und mit über 7000 wieder abgegeben. Umgerechnet waren wir fast 10.000 km auf den Punkt genau gefahren. Aha, jetzt weiß ich auch warum Tina ab und zu einen Umweg in Kauf nahm – sie wollte die 10 Mille Grenze brechen, so eine Lumpi.

Im Flughafen lief auch alles wie geschmiert (bis auf das Tina ihren Koffer beim Einchecken aufmachen musste!), so dass wir bereits um 6, nach dem Aufenthalt in sämtlichen Duty Free Läden, in der dortigen Bar unsere letzten Dollars in Bier umtauschten. Mit Verspätung verließen wir dann die USA. Im Flieger gab’s noch einen bzw. mehrere Nachttrunke und Abendessen von einer freundlichen amerikanischen Stewardess serviert. Danach konnte wir beide gut einschlafen – Gottseihdank! 

 

37. Tag: Mittwoch, 23. Juni 2004

Der Flug dauerte 11 Stunden von denen wir sehr viel schlafen konnten – cool. Die Landung in London war die Hölle.  Der Pilot hatte beim Überqueren des Atlantiks die Verspätung wieder drin – bis eben zum Landeanflug. Wir mussten ewig Schleifen über dem Flughafen drehen, weil sich alle Flüge aufgrund eines orkanartigen Windes mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 km/h verspätet hatten. Als wir dann endlich landen dürften, war es das Heißeste was wir beide je erlebt hatten. Ich bekomme so oder so bei jeder Landung feuchte Hände, aber als die Jumbo in diesem Wind wie ein Spielzeug hin und her schaukelte und vor allem auch nicht aufhörte, war es sogar Tina zuviel – ich war eh kurz vor dem Kollaps. Obwohl man auf Linienflüge dem Piloten nach der Landung keinen Beifall schenkt (wie wenn’s nach Malli geht), erhielt dieser fast tosenden Applaus – ein geiler Typ, obwohl ich ihn nie kennen lernen dürfte. Ich erholte mich von der Landung – nur Tina war es plötzlich ganz schön und immer noch flau.

Auf jeden Fall hieß es nun für uns in Heathrow Gas geben, damit wir unseren Anschlussflug erreichen würden. Es kam wieder alles anders. Wir rasten durch den Flughafen, um festzustellen, dass der Flug nach Stuttgart sich verspäten würde. Wir telefonierten mit Hermi und Loni, die uns ja abholen wollten. Kathy, Matthi und Marcel würden uns so gerne begrüßen, wenn wir nichts dagegen hätten. Wir freuten uns, dass sich unsere Lieben freuten. Die Verspätung wurde immer wieder verschoben, so dass wir letztendlich nicht um 20.00 Uhr in Stuttgart landeten, sondern erst um 22.30 Uhr. Auf dem Flug fragte mich eine Wahnsinns freundliche britische Stewardess mit erhobener Stimme, ob ich auch das Wort „Please“ in meinem Wortschatz hätte. Nach dem ich bereits über einen Tag unterwegs war und die ärgerliche Verspätung miterlebt hatte, konnte die mich nicht jucken. In Gedanken wünschte ich ihr ein schönes Wochenende voller Kopfschmerzen, hehe... 

Nach dem wir die Koffer abgeholt hatten, wurden wir bereits von Hermi und Loni freudestrahlend empfangen. Hermi fuhr uns dann zu unserem richtigen zu Hause. Marcel, der noch wach geblieben war, schaute noch auf ein Gläschen vorbei.

Es war unglaublich, aber die über 5 Wochen waren wie im Flug vergangen und unsere Flitterwochen waren nun doch so plötzlich zu Ende...

 

Eigentlich fahren wir immer noch...

 

Route 66 Archive - Home

 

Es ist jetzt ein Jahr her, als wir zu unserer Reise aufgebrochen sind. Es ist jetzt ein Jahr her seit wir geheiratet haben. Ein Jahr, welches genauso im Flug vergangen ist, wie unsere Flitterwochen. Unsere Flitterwochen über die wir beide immer wieder so gerne reden und an die wir so oft noch denken.

Als wir in Chicago ankamen, wussten wir nicht so recht was uns erwarten wird und auch nicht wie wir die Zeit gemeinsam erleben würden. Die Route 66 sollte zu einem Spiegelbild unserer Beziehung werden. Der Anfang war kompliziert, mit Unsicherheiten und auch von Ängsten geprägt – bis, na ja, bis eben...

Bis wir losfuhren und die 25 Stunden (wie uns Y&T täglich vorsangen) am Tag, die wir miteinander verbrachten, genossen haben. Und zwar so sehr, wie es sich wahrscheinlich nur sehr Wenige vorstellen können.

Ich habe mal einen Reisebericht gelesen, wo der Autor sagte, dass man eigentlich die Route 66 vor der Hochzeit fahren soll – wir haben ihn verstanden. Wir haben 5 Wochen auf engsten Raum in einem fremden Land gelebt -  es war kein Urlaub in dem Sinne. Es war das Leben, weil wir in diese 5 Wochen alles erlebt hatten

jedes erdenkliche Gefühl – gemeinsam – miteinander & füreinander.

Es ist jetzt ein Jahr her, als wir zu unserer Reise aufgebrochen sind. Die Route 66 ist für uns zu Ende gegangen – wobei eigentlich fahren wir immer noch auf ihr...

Auf unserer Straße, die ich so sehr liebe und brauche, weil ich so sein darf wie ich bin, ich dort Liebe und Geborgenheit finde, mir zugehört wird und, weil ich alles zurückgegeben darf und ich mich frei fühle... 

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