Der Stromberg Extremlauf

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Vorweg - Das Wichtigste...

Ich hab's geschafft.

54 km / 1250 Höhenmeter in 5:46:17 Stunden.

Die Vorgeschichte

Letztes Jahr im November wollte ich den Marathon in Athen laufen. Aufgrund Schmerzen im Knie und einer darauffolgenden Operation am linken Meniskus Ende Oktober wurde aus dem "L" in Athen ein "S" - was aber auch sehr viel Spaß gemacht hat...

Mitte Dezember fing ich wieder mit dem Laufen an. Ich hatte keine größere Schmerzen, aber die drei kleine Narben am Knie schwollen immer wieder an (die sahen irgendwie wie Hörner aus). Am Silvesterlauf in Bietigheim-Bissingen bin ich mit Tina die 11,2 km gelaufen.

Im Januar stand die MANOWAR-Tour an und nach 7 Konzerten und einer anschließenden Stirnhöhlenentzündung konnte ich endlich Mitte Februar mit dem "richtigen" Laufen anfangen.

Ich wollte im Frühjahr irgendwo einen Marathon laufen, habe aber keinen gefunden der mich gereizt oder zeitlich gepasst hätte. So kam ich auf die (Schnaps-)Idee am Stromberg Extremlauf teilzunehmen. Tina war schockiert und ich war mir lange (eigentlich bis zum Zieleinlauf) nicht sicher, ob ich diesen Lauf beenden (könnte) würde.

 So trainierte ich und lief mehrere lange Läufe über 30 km. So richtig zufrieden war ich aber nicht - hatte aber Gottseihdank keinerlei Probleme mehr mit meinem Knie. Zu dem genoss ich mein Leben sehr und so wog ich über 91 kg. Eine richtige Diät kam nicht in Frage, denn ich musste ja mit voller Kraft trainieren. Irgendwie nicht die besten Vorraussetzungen. Dennoch konnte ich mein Gewicht in aller letzter Minute (sozusagen) auf 89 kg drücken, aber trotzdem...

Und so muss ich einen riesigen Dank an meine Tina aussprechen, die mich in den letzten 3 Monaten ertragen musste. Der innere Druck und die damit verbundene Gefühlsschwankungen können ganz schön anstrengend sein - ich hatte echt Schiß vor diesem Lauf.

Der Lauf

Am Samstag vor dem Lauf kam Petra aus Regensburg und wir hatten einen schönen Abend -  zunächst bei unserem Griechen und dann zu Hause. Sie zu sehen hat uns echt gut getan...

So redeten wir sehr viel und gingen etwas zu spät ins Bett. Petra war die Einzige die eine ruhige Nacht hatte. Ich schlief total unruhig und Tina konnte vor lauter Aufregung um mich (haha, das ist wahre Liebe!!!) so gut wie gar nicht schlafen.

Der Wecker klingelte um 6 und ich schaute zum Fenster hinaus. Es war wolkig, aber trocken und wir sahen die Sonne aufgehen. Ich zog mich an und hörte plötzlich das Geräusch von Regentropfen an unserem Dachfenster - das war jetzt aber nicht wahr - doch es war wahr. So viel zur Wettervorhersage - FUCK YOU.

Ein schnelles Frühstück im Stehen, lauftechnisch angezogen und los ging's nach Ochsenbach, wo der Lauf starten würde.

Es regnete und regnete und wurde statt schwächer immer stärker. Bei 6 Grad wuchs meine Unsicherheit natürlich stetig an. Über 5 1/2 Stunden im Regen laufen zu müssen und zu frieren - darauf hatte ich eigentlich gar keinen Bock!

Na ja, was soll's. So dachte ich mir Arschlecken, Hail & Kill und los.

Die Strecke führte gleich mal steil den Berg hinauf. Dadurch machte mir aber der Regen nichts aus, denn frieren konnte man bei der Steigung nicht. Ich hatte zunächst T-Shirt, langes T-Shirt und Laufjacke an was gar nicht dumm war. Die ersten Kilometer waren echt easy - ich musste mich sogar bremsen. Das ist nämlich der größte Fehler eines jeden Langstrecklers - die Euphorie des Wettkampfes und das gute und lockere Gefühl verleiten einen zu schnell zu laufen. Was sich dann ab 30 km in Form von Krämpfen durch Übersäuerung bitter rächt.

Nach etwa 16 km lief ich in Hohenhaslach um eine Ecke und da waren sie meine beiden Cheerleaders - es war echt schön Tina und Petra zu sehen.

So ging es anschließend heftig bergab nach Spielberg zur Fontanisbetriebshalle. Dort hatte schon der erste Läufer nach 20 km schlappgemacht - also, beim besten Willen, wie kann ich nach 20 km schon am Arsch sein, wenn ich 54 km laufen will. Das verstehe ich nicht, denn a bißle Vorbereitung gehört wohl zu so einem Lauf dazu, hehe. Jeder normale Mensch weiß, dass man solche Strecken nicht einfach so laufen kann - oder anscheinend doch nicht...

Die Mädels waren wieder da und so entledigte ich mich meiner Laufjacke und wechselte mein langes T-Shirt, denn es hatte aufgehört zu regnen.

Nun folgte der längste Anstieg des Laufes. Es ging auf den höchsten Berg im Kreis - den Baiselsberg. Nach dem es für ca. eine halbe Stunde aufgehört hatte zu regnen, fing es wieder an. Das war echt nervig und drückte meine Stimmung.

Ich lief eigentlich immer alleine (es waren 72 Läufer gestartet - 62 von ihnen kamen im Ziel an) bis auf wenige Ausnahmen, aber ich musste eben mein Tempo laufen. Ich wollte keine Risiken eingehen. Ich war noch nie so weit und so hart gelaufen.

So dachte ich viel nach und machte mir immer wieder neue "kleinere Ziele" (erstes Drittel nach 18 km, die Hälfte bei 27 km, höchster Punkt Baiselsberg usw.). Das hilft mir über die Runden zu kommen - die Einsamkeit des Langstreckenläufers zu überwinden.

Nach 31 km war ich dann am Hamberger See angekommen und siehe da - die Mädels waren wieder zur Stelle. Man, habe ich mich gefreut, denn ich hatte mit ihnen gar nicht so oft und überall gerechnet. Ich war echt glücklich und sie waren es auch, denn zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich mental und körperlich in Topform und war völlig relaxt. Es baut einen wirklich auf wenn man Menschen hat, die für einen da sind, wenn man sie wirklich braucht. Das Anfeuern gibt einem Läufer ein unbeschreiblich gutes Gefühl und aber auch Kraft. Klar, echte Sesselfurzer können sich das wohl eher nicht vorstellen, hehe... Und so war es echt klasse Tina und Petra an der Strecke zu haben!

So redeten wir kurz während ich am Getränkestand mich stärkte. Anders wie bei einem normalen Marathon blieb ich stehen während des Trinkens - mein Respekt vor der Strecke war einfach zu groß und mir ging es nicht um die Zeit - ankommen war das einzige Ziel.

Der Regen hatte nun nach 3 Stunden endgültig aufgehört und ich hatte zu diesem Zeitpunkt noch einen Gesamtschnitt von 5:55 Minuten per Kilometer - was echt cool war - was sich aber auch noch ändern würde...

Tja, und dann ging es weiter. Meine Cheerleader würde ich nun erst wieder im Ziel sehen. Die Strecke war zunächst recht unspektakulär bis es dann kurz steil bergab ging, um unmittelbar danach gleich wieder brutal steil berg hoch. Nach dieser Steigung, die bei km 32 anfing und bis km 34 andauerte, war ich platt. Der Getränkestand war meine Rettung, aber er nützte nicht viel.

Als ich bei km 36 ankam und mich eigentlich freuen wollte, dass nun 2/3 der Strecke absolviert waren, fiel ich in ein mentales Tief. Meine Beine waren ok, Kondition auch, aber mein Kopf zweifelte. Die Strecke wurde wieder ebener, aber ich wurde stetig langsamer. Es war als ob jemand den Stecker gezogen hatte und der Gedanke noch 18 km vor mir (anstatt 36 km hinter mir) plagte mich. Ich wurde unsicher und unzufrieden, denn ich hatte ja nicht mal die Distanz eines Marathons hinter mich gebracht. Natürlich war das Höhenprofil ein Killer, aber daran dachte ich nun nicht mehr. Ich schleppte mich voran. Da holte mich ein Läufer ein, der seine Frau als Begleitung auf dem Rad hatte. Er selber litt schon unter Krämpfen, aber sie sagte immer wieder: "Auf geht's nur noch 6 km bis zum Brandenburger Tor." Man, zu diesem Zeitpunkt habe ich sie echt verflucht ;).

Bei km 41 kam der Achte von insgesamt 10 Getränkestände. Ich entledigte mich meines langen T-Shirts (welches mir von der Frau am Stand sogar ins Ziel gebracht wurde - Dankeschön!) und trank Wasser und ein Isogetränk und ass Brot. Schokolade hätte ich nicht mehr runtergebracht.

Ich lief los und plötzlich hatte jemand den Stecker wieder eingesteckt - ich fühlte mich so kraftvoll wie am Anfang. Es war unglaublich. Ich rannte und freute mich, denn das wichtigste "Klein-Ziel" war nun greifbar nah - die 42,195 km Marke. Ich erreichte die Marathondistanz und konnte meine Gefühle nicht mehr kontrollieren. So lachte und weinte ich im Wechsel. eine Viertelstunde lang erlebte ich den "Runner's High" - ein grandioses Gefühl, welches man erst nach einer sehr langen Strecke (manche erleben es nie) spürt. Medizinisch gesehen schüttet wohl das Hirn Endorphine (Glückshormone) aus und man kann nix machen - außer sich freuen.

Und dann war es vorbei. Bei km 48 kam eine fiese aber Gottseihdank kurze Steigung. Nur nach dieser Steigung fingen meine Beine (endlich) an zu krampfen. Die Schmerzen wuchsen stetig an, aber ich gab nicht auf. Ich war das gesamte Rennen durchgelaufen ohne auch einen Schritt auf der Strecke gegangen zu sein und nun wollte ich zumindest die 50 km Marke laufender Weise erreichen. Es war die Hölle - nein, ihr wißt nicht wovon ich spreche - glaubt es mir einfach. Ich biss auf die Zähne und schleppte mich weiter immer weiter - noch eine kleine miese Steigung, die keiner gebraucht hatte - und dann war es geschafft - 50 km.

Witziger weise ging es unmittelbar danach bergab, so dass ich nicht aufhörte zu laufen, sondern mich tragen ließ. Der Nicht-Läufer denkt sich, dass es bestimmt easy war, denn man muss ja nichts tun um runterzukommen. Falsch gedacht, denn meine Krämpfe wurden immer stärker. Ich lief nicht bergab, sondern eierte herunter. Nach 52 km war ich unten und am letzten Getränkestand angekommen. Wir waren aus dem Wald und die Sonne schien - sie war warm auf der Haut und machte mich glücklich. Und obwohl es nur noch 2 km waren, habe ich mich noch mal gestärkt - nicht für den Körper, sondern für den Geist.

Denn so und nur so, habe ich es geschafft die gesamte Strecke durchzulaufen. Kurz vor dem Ziel in Ochsenbach waren noch meine Freunde von unseren Stall versammelt und feuerten mich auf den letzten Metern an. Das war echt genial und irgendwie wie eine Belohnung.

Ich sah das Ende, vergaß die Krämpfe und lief freudestrahlend über die Ziellinie. Gesamtzeit 5:46:17 was ein Schnitt von 6:25 Minuten per Kilometer bedeutete. Das war mir allerdings so was von Scheißegal, denn es war vollbracht. Ich war da und ich war heil und die unendlich viele (inneren) Schweinehunde waren tot - alle - haha...

An dieser Stelle möchte ich ein dickes Lob und Dankeschön an die Veranstalter des Kirbachtal-Laufes vom TV Ochsenbach, insbesondere an Volker Schoch, aussprechen. Eine bessere Organisation, Streckenbetreuung, -beschilderung und -versorgung habe ich noch bei keinem anderen Lauf erlebt - wirklich professionell und spitzenmäßig.

Sogar nach 54 km war ich noch zu schnell für Tina's Kamera...;)

Die Mädels waren glücklich, dass ich "ganz" war und ich konnte das Ganze noch gar nicht so richtig fassen. 54 km 1250 Höhenmeter - ganz schön irre cool - eh, was, wie, huh...

Ein großes HAIL an meine Chickas!

Und Hellyeah - nun war ich bereit...

...für eines meiner besten Hefeweizen in meinem gesamten Leben. Man war das geil und wohl verdient, wenn ich selber so sagen darf, hehe...

Wir blieben noch ein Weilchen dort und tranken noch ein Bier, vertilgten Rote Würste und Pommes und gingen dann nach Hause. Petra fuhr zurück nach Regensburg, ich badete und anschließend gingen Tina und ich zum Grillen zu unsere Stallleute. Das Grillen war geil und das Bier schmeckte so richtig gut. Zu Hause noch kurz geredet und ein (ok, zwei) Scheidebecher getrunken und tot ins Bett gefallen. 

Ich denke dieser Lauf wird einmalig bleiben, ich habe es geschafft und es reicht. So werde ich mich wieder den Marathons und auch mal dem einen oder anderen Halbmarathon widmen. Flach sollen sie sein - natürlich nur die Läufe ihr Seggl...

Und so werde ich dieses Jahr in Athen aus dem "S" ein "L" machen.