Tina's Halbmarathon

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Seit vielen Monaten hatte ich beschlossen am 22.06.2008 am Stuttgart Lauf endlich meinen eigenen Rekord von 2006 zu knacken. Ich wollte unter zwei Stunden den Halbmarathon laufen. So bereitete ich mich vor und lief ca. 4 Mal die Woche. Ab Frühjahr lief ich hierbei im Training auch immer wieder die 21 Kilometer. Zwar nicht sehr schnell, aber jedes Mal ohne Probleme.

Udo hatte sich ebenfalls angemeldet zum Lauf. Aber nicht um eigene Rekorde zu laufen, sondern um für mich da zu sein. Er wollte mich ziehen und anfeuern.

Leider war dann das Ende der Trainingszeit alles andere als optimal. Wir mussten unser Haus streichen und dort allerhand erledigen. So hatte ich am Samstag vor dem Lauf ziemlich Muskelkater und müde Beine. Außerdem war es sehr heiß...

Am Samstag holten wir bereits unsere Startunterlagen ab, tranken ein alkoholfreies Bier und verspeisten eine Portion Bürger Maultaschen. So kamen wir im Menschentrubel doch etwas in Laufstimmung.

In der Nacht auf den 22. Juni 2008 schlief ich überraschend gut. Und trotz aller Zweifel dachte ich, dass ich es schon irgendwie schaffen würde. So fuhren wir um 07.00 Uhr mit der Bahn zum Gottlieb-Daimler-Stadion.

 

Wir gaben unsere Taschen ab, fummelten die Startnummern an die Shirts und ich war furchtbar nervös.

Um 08.15 Uhr war Treffpunkt hinter der Schleyer Halle mit meinen Revierkollegen. Wir wollten als Team 12. starten. Es wurden noch ein paar Bilder geschossen, das letzte Mal die Toiletten aufgesucht und dann war es Zeit langsam an den Start zu gehen. Und es wurde heißer und heißer...

 

 

Meine Unsicherheit wurde immer größer. Wie würde ich diesen Lauf nur überstehen? Die Sonne brannte mir auf der Haut. Es war 09.00 Uhr und hatte sicherlich schon fast 30 Grad. Auch bei vielen anderen sah ich ein sorgenvolles Gesicht. Am Start standen wir dicht an dicht. Über 15.000 Läufer waren gemeldet. Ein neuer Rekord, der vielleicht auch an der neuen Streckenführung liegt. Diese sollte ja erstmals durch die Innenstadt Stuttgart führen.

Nun wollte ich endlich los. Endlich den Start hinter mir haben und kämpfen. Doch leider verzögerte sich der Start insgesamt um 30 Minuten. Bei den Temperaturen war es furchtbar zu warten. Ich hatte das Gefühl, dass die Sonne mich verbrennt. Udo motivierte mich und stand an meiner Seite. Und so ging es los. Der Startschuss fiel und mein schlimmster Lauf sollte beginnen...

Wir joggten im geplanten Schnitt los über die B14 in Richtung Stuttgart Mitte. Schon auf die ersten Kilometer merkte ich, dass der Lauf alles andere als gut werden würde. Ich kam nicht in Tritt. Ich hatte bereits auf den ersten Kilometern Kreislaufprobleme und kalten Schweiß. Udo war unermüdlich an meiner Seite. Das tat gut...

Plötzlich in der Stadt ein bekanntes Gesicht! Meine Schwester Kathy stand als Überraschung am Streckenrand. Es war ein ganz besondes schöner Moment, der mir sehr viel bedeutete. Vor einigen Sekunden hatte ich noch überlegt gleich aufzugeben. Jetzt wollte ich für Kathy weiter laufen, die doch extra gekommen war.

Endlich kamen wir zur ersten Wasserstelle. Ich froh und schwitzte und schwankte ein wenig. Udo brachte mir Wasser, spritzte mich nass und war den ganzen Lauf unermüdlich dabei mich zu motivieren.

Die Hitze wurde für mich unerträglich. Ich wollte nur noch aufgeben. Die neue Strecke bemerkte ich nicht. Ich kämpfte um jeden Schritt. Mein Ziel war nur noch die nächste Wasserstation, wo mich Udo weiter mit Getränken, einem nassen Schwamm und motivierenden Worten unterstützte.

Irgendwann hörte wenigstens der kalte Schweiß auf. ich merkte, dass mir die Duschen der Feuerwehr und des DRK gut taten. So ließ ich mich komplett nass spritzen und schaffte wieder Kilometer um Kilometer. Natürlich war meine Zeit bereits dahin. Aber das Ziel war nur noch ankommen... So viele Dinge gingen mir durch den Kopf und ich wollte einfach in das Stadion einlaufen.

Eine kleine Zeit ging es mir etwas besser. Dann kam wieder der völlige Einbruch. Plötzlich klopfte mir jemand auf die Schulter. Hey, es war Gioberte! So eine Freude ihn zu sehen.

Udo sprang scheinbar ohne jede Ermüdung hin und her. Er fotografierte, brachte mir weiter Wasser und ich sah ihm deutlich an, dass er es kaum schaffte so langsam wie ich zu laufen :)  So waren die kurzen Sprints für die Bilder vielleicht ganz gut für ihn hehe..

Immer wieder musste ich gehen. Das musste ich noch nie bei einem Halbmarathon. Aber es ging nicht. Um uns herum fielen immer mehr Menschen um. Die Notärzte fuhren reihenweise. Nach der Deckerbrücke war ich mir endlich sicher im Stadion anzukommen. Udo war weiter unermüdlich an meiner Seite und so geschah es, dass ich tatsächlich dort ankam. Hand in Hand mit Udo durch's Ziel. Er hatte mich gut hingebracht. Die Zeit weit verfehlt, aber gesund. Das zählte. Mein Chef stand im Ziel und erwartete uns schon.

Ich war fix und alle, aber unglaublich glücklich angekommen zu sein!!! Die Sonne brannte weiter und wir warteten gemeinsam auf die letzten beiden Läuferinnen vom Team 12.

Sabrina hatte sich vorgenommen ihren ersten Halbmarathon zu laufen und wir drückten so feste die Daumen, dass sie ihr Ziel bei der Hitze erreichte. Und dann kamen sie an... Die beiden Mädels hatten zusammen gekämpft und man sah ihnen das Glück an gemeinsam gut angekommen zu sein.

Vor wenigen Minuten war ich mir noch sicher gewesen, nie wieder einen Halbmarathon zu laufen. Doch die Stimmung im Stadion war super. Das Gefühl es geschafft zu haben auch. So beschloss ich zumindest bei einer solchen Hitze nicht mehr zu laufen. Aber in Gedanken suchte ich schon mein nächstes Ziel. Denn die Zeit unter zwei Stunden bin ich Udo noch schuldig :)

 

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