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Nach dem der Marathon
in Basel ganz gut verlaufen war, beschloss ich diese Herausforderung wieder
anzunehmen. Es ist einfach geil über sich hinauszuwachsen – weil man es muss –
seine eigene Grenzen zu kennen und wenn nötig sie hinter einem zu lassen.
So wurde der
Zeitpunkt gewählt und ich schaute nach einem geschickten Lauf. Heilbronn – cool
– nicht mal eine Stunde von mir entfernt. Also perfekt - diesmal wollte ich
keine weiten Wege fahren, da wir gerade mitten im Häuslesbau stecken! Klick,
klick und schon war ich angemeldet…
Erst danach habe ich
mir das Streckenprofil angesehen und musste erstaunt feststellen, dass dieser
Lauf vermutlich ganz schön hart werden würde! Statt der lächerlichen 20 Meter
Höhendifferenz wie in Salzburg bzw. Basel waren es hier 352 Meter – oh shit…

Meine Vorbereitung
lief ganz gut – ähnlich wie für Basel – und mein Gewicht war Top – 85 kg statt
90. Ach, und das bisschen auf und ab – was soll’s! Na ja, wir waren Wochen
zuvor die Strecke mit dem Motorrad abgefahren und mussten feststellen, dass
diese ganz schön knackig war!

Am Abend vor dem Lauf
fett beim Griechen mit allem was dazu gehört gegessen und getrunken und danach
selig ins Bett.


Sonntagmorgen
aufgewacht und was prasselte da gegen mein Fenster – es war Regen und zwar ganz
schön viel Regen. Wollte ich 4 Stunden durch diesen Regen laufen – nein wollte ich
nicht…

So fuhren wir aber im
strömenden Regen nach Heilbronn und hofften auf Besserung. Und tatsächlich
hörte es einen halbe Stunde zuvor auf. Geil – Gottseihdank!


Meine wunderschöne "Trainerin"
Buntes Treiben –
einen Plausch hier und da – und dann ging ich Richtung Start. Ich glaube Tina
war aufgeregter als ich. Sie ist eben immer für mich da, wenn ich sie brauche und
das gibt mir immer wieder die notwendige Kraft, die ich brauche.

09.00 Uhr – Startschuss
– Ein Lächeln in die Kamera, denn was soll’s – Verbissenheit wäre hier fehl am
Platz gewesen – es kommt eh wie’s kommt, also nimm’s mit einem Lächeln – ändern
kannst du eh nix mehr!

Der Anfang war ok,
obwohl die Sonne langsam aber sicher kraftvoll herauskam und es dämpfig war.
Die erste und längste Steigung von Flein nach Talheim wurde nach 10 km locker
genommen und der Abstieg war auch "easy going". So ging es rauf und runter, mal
steiler mal flacher.

Mein ÜBERRASCHUNGS-Fan-Club - True Friends Of Steel!

Tina wollte mich in
Brackenheim an der Strecke anfeuern und ich freute mich sehr sie zu sehen und auf
ihren Ansporn. Es ist schon so, dass Menschen die am Rand stehen und deinen
Namen enthusiastisch schreien, dich nach vorne peitschen können – noch mal
Kraft in dir wecken können! Und wenn es noch die eigene Frau oder Freunde sind
– dann umso mehr!


So lief ich um die
Ecke auf das Rathaus in Brackenheim zu und – oh, mein Gott – wie geil –
unglaublich – wer stand da und feuerte mich an – Tina natürlich, aber da
standen noch Carmen, Volker und Jens, die wir vom MANOWAR Forum House Of Death
kannten. Alle bewaffnet mit Bannern, die Carmen liebevoll angefertigt hatte.
Sie wedelten und schrien wie verrückt. Das war die totale Überraschung – ich
war perplex und zugleich so voller Freude. Es ist einfach schön wenn man
Freunde hat, die einem beistehen. Auf unseren Forum T-Shirts steht „Ten
Thousand Side By Side“ – wer sollte nun daran zweifeln!



Und so lief ich nach
23 km leichtfüßig dahin. Es ging mal wieder bergab und das war gut so! Kurz vor
Neipperg überquerte ich die Straße und da hörte ich wieder eine bekannte Stimme - Tina schrie nach mir, die mit den
anderen im Stau stand – man, das war echt zu cool sie noch mal zu treffen!

Tja, und nach Neipperg sollte mein Lauf langsam aber sicher zu einem Kampf werden. Die
anschließende 9 % Steigung war die Hölle – die Beine begannen ernsthaft zu
pulsieren und der Abstieg danach brachte nicht den gewünschten Erholungseffekt.

Ach du... Volker on the Road!

Ich war jedoch super
gut in der Zeit – bis dahin – 5:20 Minuten im Schnitt – hätte eine Endzeit von
3:44:00 bedeutet, wenn nicht…
…nach 35 km noch mal
eine brutale Steigung gekommen wäre – da wollten meine Waden nicht mehr. Ich
wurde langsamer – 6 Minuten-Schnitt. Ich hoffte jedoch auf einen Erholungseffekt
beim folgenden Abstieg vom Klingenberg, aber dieses 14 % Gefälle gab mir den
Rest. Die Oberschenkel fingen an zu krampfen – ich konnte mein eigenes
Körpergewicht nicht mehr richtig abfangen und bin da runter geiert wie auf
Stelzen – super Sach’!
Im Tal angekommen
musste ich zwei kurze Gehpausen einlegen, da ich nicht mehr sicher war wann und
wo der tödliche Krampf endlich einsetzen würde. Nun spornten mich Läufer an,
die ich zuvor in gleicher Manier angespornt hatte – spätestens nach über 30 km
verspürt man eine Verbundenheit, die bei kürzeren Läufen einfach nicht zustande
kommt.

Mein Körper war am
Arsch aber mein Geist war guter Laune – Tina hatte mir schon prophezeit, dass
dieser Marathon die Hölle sein würde – sie hatte Recht, denn die Strecke war’s
wirklich. Und nun kam auch noch die Hitze dazu - das Thermometer war auf 27
Grad geklettert – im Schatten versteht sich, obwohl es keinen gab.


So konnte ich
aufrecht ins Frankenstadion laufen und die Ziellinie nach 4:02:25 überqueren.
Ich zähle mich nicht zu den Hardcore-Läufern, denn dafür genieße ich das Leben viel zu sehr und deshalb ist die Last, die ich jedes Mal hinter dieser Ziellinie lasse so schwer zu beschreiben, dass ich
es gar nicht erst versuchen werde.


Mein Fan Club wartete
und ich freute mich ganz einfach da zu sein und natürlich, dass sie da waren.
Und Tina freute sich so sehr für mich – was will man mehr!


Muss ich wirklich?

Ja, ich musste, aber ich tat es mit Stolz!

Wir machten
gemeinsame Fotos und saßen noch zusammen. Ich wollte mehr sagen, wie froh und glücklich ich war, aber ich
konnte einfach nicht – sprachlos. Wie auch immer – von Wasser hatte ich genug,
so dass ich es wagte ein eiskaltes Weizen zu zischen. Man war das geil und
schon verschwanden die Schmerzen – oder besser gesagt: verschwommen. Volker
gönnte sich auch noch eins und anschließend verabschiedeten wir uns – unser
nächstes Wiedersehen jedoch schon vor Augen…

Es war ein grandioser
Tag, der noch beim indischen Buffet und mit einem 16 Jahre alten Lagavulin
würdig gefeiert wurde.
Der Lauf war der
Wahnsinn – die Strecke gewiss nicht für Rekorde gedacht – auch die Besten kamen
20 Minuten später ins Ziel als bei einem „Normalen“. Das beruhigte mich sehr,
denn im Herbst werde ich wieder die Herausforderung annehmen und es wieder tun – diesmal jedoch flach und hoffentlich in persönlicher
Bestzeit…
Greatness waits for those who try None can teach You - it's
all inside Just climb!
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