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17. Januar 2007
Gehzeit 5:50 Stunden, 2:30 Stunden, 3:00 Stunden / Höhenmeter 4600 - 5896 - 4600 - 3100 m / Temperatur nachts 3 Grad, Gipfel -10 Grad, vormittags 10 Grad, spätnachmittags 21 Grad / 1 Stunde Hagel, 2 Stunden Regen / Höhenkrankheit: Ich sehr starke Atemschwierigkeiten + Kopfschmerzen
Genau um 00.25 Uhr verließen wir das Barafu Camp. Der Ausgang der Reise war aufgrund des gestrigen Tages mehr als ungewiß. Thermounterwäsche, Winterjacken, Gamaschen, Handschuhe, Stirnband, darauf die Stirnlampe und darauf die Wollmütze (damit auch die Batterien warm bleiben würden) - so ging es in die Nacht hinein - Tina, Deusi, ein Porter und ich.
Wir überholten zunächst viele andere Bergsteiger und alles war in Butter. Der Weg war sehr steil und wurde immer steiler (später beim Abstieg, sah ich, dass die Steigung lockere 100 Prozent betrug!). Nach ca. 100 Höhenmeter hatten wir eine geschlossene Neuschneedecke - es waren nur sehr wenige frische Fußspuren zu sehen. Ich dachte an Michel's Steigeisen, die er und wir ebenso wenig nicht dabei hatten. Nach eineinhalb Stunden war es dann bei mir wieder soweit - die Höhnenkrankheit kam. Diesmal (zunächst) keine
Kopfschmerzen. Nein, diesmal habe ich ganz einfach keine Luft mehr bekommen. Ich ging 10 Schritte und musste stehen bleiben. Ich hechelte und hechelte und ging weiter. Mein Porter hatte dann auf Deusi's Anweisungen hin, mir meinen Rucksack abgenommen - ich widersprach nicht - wie auch? Tina hatte keinerlei Anzeichen von irgendwas. Sie fragte mich stets, ob ich Wasser oder einen Müsliriegel bräuchte. Sie machte sich um mich Sorgen. Ich sagte, solange ich nur keine Luft bekommen würde, gehe ich weiter. Deusi meinte
auch, dass es erst ab dem 2. mal K*tzen gefährlich werden könnte - super einfühlsamer Typ!
Dann fing ich an nachzudenken. Als Erstes über die gute 4 Stunden, die noch vor mir und dem Gipfel lagen. Anfangs war ich mir sicher, dass ich es nicht schaffen würde. Aber ich konnte doch nicht aufgeben - ich wollte mich nicht selbst, aber noch viel wichtiger - ich wollte Tina nicht enttäuschen. Wir hatten ausgemacht gemeinsam loszugehen und gemeinsam
aufzuhören. Und nun sollte ich alles zerstören. Tina, die so viele Selbstzweifel gehabt hatte, war vor mir und bestieg diesen Berg wie eine eins. Also, weiter - oder doch nicht...
Gehen - stehen bleiben - gehen, bis mir das auch nicht mehr gereicht hatte. Ich musste mich immer wieder hinsetzen. Es war schon fast 5.00 Uhr. Tina setzte sich neben mich hin und schlief fast ein. Es war kalt und sie war müde - Gottseihdank nur müde! Ich sagte ihr, sie solle einfach weitergehen. Deusi sagte uns, dass es nicht mehr weit wäre und fragte
mich noch mal wie's mir geht. Eigentlich gleich, ein bißchen Kopfschmerzen noch dazu. Was mich immer wieder beruhigte war die Tatsache, dass ich trinken und essen konnte - mir wurde dabei zum Glück nicht schlecht.
Tina war dann mit Deusi ca. 50 m vor mir. Sie schwankte teilweise nun auch ein wenig. Dann blieben sie ohne erkennbaren Grund stehen. Ich holte sie ein und Tina sagte mir: "Wir haben es geschafft!" "Was, wie?" Wir waren kurz nach 5 beim Stella Point angelangt. Hier gilt der Kili als bestiegen. Ich konnte es kaum fassen. Wir umarmten
uns und das Erste was ich jedoch sagte war: "Jetzt packen wir auch noch die letzten 150 Höhenmeter!" "Klar!" Am Stella Point trafen wir dann Irmela, die es vor uns geschafft hatte. Ihr Guide gab uns Tee aus und ich verteilte übrige Müsliriegel - es war geil, aber irgendwie nicht zu fassen.
So gingen wir durch Neuschnee weiter in Richtung Uhuru Peak. Nach 5:50 Stunden Gehzeit waren wir um 05.15 Uhr Hand in Hand auf dem Gipfel. Wir hatten beide den Willen dazu und Tina die Kraft, die mich anspornte nicht aufzugeben! Ohne Tina hätte ich bestimmt mindestens 100 mal vorher umgedreht...
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Füreinander - Miteinander
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Die Sonne war aufgegangen und am Gipfel trafen wir Marco, dessen Freundin und seine Tochter - er hatte sein Versprechen eingelöst. "I'm free!" Die minus 10 Grad waren etwas hinderlich beim fotografieren, da mir schier gar die Finger abgefault wären, aber wen hat's gejuckt! Es hatten alle ihr Ziel erreicht, auch wenn es wahrscheinlich zu dem Zeitpunkt keiner so richtig geblickt
hat, was er gerade hinter sich gebracht hatte.
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Uhuru Peak 5896 m
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Kersten Gletscher
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Und so begann der Abstieg. Tina war nun fertig und hatte aufgrund der Kälte kein Gefühl in ihren Finger- und Fußspitzen. Ich hatte starke Kopfschmerzen, die ich zuvor wohl vor lauter Freude vergessen hatte. Ich holte noch meinen Rucksack beim Porter ab, denn ich wollte nicht, dass er ihn auch noch bergab tragen musste. Es ging steil bergab, aber es war mir irgendwie ALLES egal!
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Stella Point 5745 m
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Nach über 2 Stunden (gegen 09.00 Uhr) "Heruntergeschlittere" waren wir wieder im Barafu Camp angekommen. Die Crew freute sich über unseren Gipfelsieg und gratulierte uns ausgiebig - wir beide waren ganz einfach fertig - die Füße taten uns weh! Ich schlief quer im Zelt ein. Tina döste und gegen Mittag wurden wir geweckt - der Abstieg sollte (musste) ja noch bis auf 3100 m runter
gehen!
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So ging es um 12.30 Uhr wieder los, steil hinunter zum Mweka Camp. Wir waren immer noch tot - die Besteigung, die damit verbundene Anstrengung und so gut wie gar kein Schlaf - irgendwie viel schlimmer als ein Nachtdienst...
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Kaum im Bergdschungel angelangt fing es an zu hageln. Aber wie gesagt, wir nahmen es gelassen hin...
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Im Mweka Camp angekommen waren wir Gottfroh es hinter uns gebracht zu haben. Die Sonne schien und es war ok. Das Camp war eher ein Zeltplatz - irgendwie gar nicht so cool, sondern eher voll Touri-mäßig. Irmela haben wir noch mal kurz getroffen, die ohne Unterbrechung vom Gipfel abgestiegen war - sie musste sehr langsam gehen, denn ihre Knie waren einer solchen hohen Belastung nicht gewohnt.
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Tja, und dann regnete es wieder. Wir bekamen noch mal Popcorn und tranken endlich wieder Kaffee, auf den wir ja die letzten 2 Tage vor dem Aufstieg verzichtet hatten - zwecks der Herzraserei (aufgrund der dünnen Luft) und spielten 20 up. Leckeren Gemüseeintopf zum Abendessen und ab ins Zelt - die letzte Nacht im Zelt (FÜR IMMER!!!)juhuu! Wir gönnten uns endlich einen Whiskey und schliefen völlig übermüdet ein. Ich muss zwar nicht, aber ich möchte trotzdem erwähnen, dass ich wieder gefroren habe...
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